Problem erkannt, Problem gebannt?
Peter Korach ist schon eine gute halbe Stunde im Jenseits, liegt hübsch aufgebahrt im Zentrum der bewegungsfreudigen Drehscheibe der Münchner Kammerspiele und hat schon manche bühnentechnische Karussellfahrt hinter sich. Da schüttet sein Vater Simon, ein prominenter Lokalpolitiker, der vielleicht gar nicht sein Vater ist, noch einen Bauchladen voll Platituden über ihn aus, redet von Liebe, Fehlern und was man sonst noch wollte, wenn man anders könnte. Da wird es selbst dem Toten zuviel, Oliver Mallison steht einfach wieder auf und setzt sich zurück aufs Sofa.
So etwas hält keine Leiche aus.
So lustig wird es allerdings nur selten in Lars-Ole Walburgs Uraufführung von Lukas Bärfuss’ «Die Probe» an den Münchner Kammerspielen. Denn Peter hat selbst mit den Fehlern wegen der Liebe angefangen und seinen kleinen Sohn einem diskreten Gentest unterzogen, weil er sich plötzlich seiner Vaterschaft nicht so ganz sicher war. Wenn dann nicht das gewünschte Ergebnis kommt, gibt es ein Problem. Und wenn man das Problem, das man sich gerade selbst gemacht hat, sehr ernst nimmt, kommen gleich noch ein paar andere hinterher. Aber dazu später.
Das Problem mit dem Problemstück liegt auf der Hand: Es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Kalte Böen peitschen durch die Spitalerstraße, die schnurstracks vom Hamburger Hauptbahnhof zum Thalia Theater führt, das letzte Aufseufzen von Orkan Kyrill, der zwei Tage zuvor Europa in Aufruhr und Stillstand versetzt hatte. Im Wind schwankt ein glatzköpfiger Typ, nicht jung, nicht alt, ein riesiges Holzkreuz in der Hand. Mit donnernder Stimme brüllt er gegen den...
Mit diesem bürgerlichen Trauerspiel ist es eine komplizierte Sache. Seit Fritz Kortners vielgerühmter Inszenierung von 1970 gilt es als ausgemacht, dass Galottis Tochter den Prinzen von Guastalla «liebt», in ihn verknallt ist oder wie immer wir dieses eigentümliche Nervenspektakel einer widersinnigen Anziehung nennen wollen.
Das macht allerdings weder die Deutung...
Der eine ist der berühmteste Geldfälscher der Zwischenkriegszeit. Weil der Maler Salomon Sorowitsch von seiner Kunst nicht leben kann, verdient er sein Geld mit falschem Geld. Ein kriminelles Talent, das er notfalls auch in den Dienst der Nazis stellt, obwohl sie ihn, den Juden aus Odessa, ins KZ gesteckt haben. Der andere, Adolf Burger, würde hingegen jedes Opfer...
