Geschichte von unten

Marc Becker «Jung und unschuldig»

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Bei «Margot und Hannelore» war es ein vertracktes Wechselspiel um verlorene Identitäten auf der wackligen Grundlage einer kaum bewältigten und moralisch schwer kontaminierten Historie; bei «Wir im Finale» wurde dann schon das letzte noch auffindbare Quäntchen Selbstbewusstsein durch kollektives «Tooor»-Gebrülle hochgepuscht, und auf der La-Ola-Welle schwappte eine wie dusselig begeisterte wiedervereinigte Fangemein­de zu neuen Ufern; mit «Jung und un­schuldig» nun, dem letzten Teil seiner deutschen Befindlichkeits-Trilogie, wollte der Autor Marc Becker auf dem Umweg über längst

vergessene schlüpf­rige Vergangenheiten einen Schlüssel­loch-Blick in eine nun möglichst bessere Welt wagen: «Wir wollen doch spä­ter mal eine schöne Zukunft besitzen», sagt eine der Figuren. Aber da ist der Bummelzug in die blühenden Landschaften auch schon wieder abgefahren. Denn bevor es mal endlich so richtig losgehen könnte mit diesem Volk, ist es bereits hoffnungslos überaltert, und selbst der einst so ruckartige «Hallo-Deutschland»-Schlusssatz wirkt nur noch wie eine zahnlos gelallte Wunschvorstellung: «Alles wird geil …»
Dabei ist es zunächst mal alles andere als leicht (und leider auch nur ...

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Theater heute August/September 2006
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Bernd Noack

Vergriffen
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