Noch kollektivere Kollektive!
Diesen Herbst herrschte in London eine relative New-Writing-Flaute. Außer einer Überraschung kaum ein well written well-written-play in Sicht. Um dem legendär schlechten englischen Wetter gen Jahresende zu entkommen, bot das Londoner Theater stattdessen relativ exotische Ausflugsziele an: die Berge von Theben, eine gute Stube im revolutionären Russland, einen liebevoll gepflegten Fußballplatz in Northbridge – und das Innere der Erde.
Die Gruppe Kneehigh aus Cornwall fing vor 20 Jahren in einer Scheune an, Theater zu machen.
Man glaubte an’s Kollektiv und tut es noch – denn man ist ganz gut damit gefahren. In zwei Dekaden hat Kneehigh es vom lokalen Geheimtipp zu einer der innovativsten Touring Companies der Insel gebracht, Zusammenarbeit mit dem National Theatre und den großen regionalen Theatern wie West Yorkshire Playhouse oder Bristol Old Vic inklusive. Die Zauberformel scheint zu sein, mit einfachsten Mitteln und multitalentierten Kollaborateuren so viel Bühnenanarchie wie möglich zu verbreiten und dabei im Idealfall auch noch eine Geschichte zu erzählen. Als Vorlage dienen meist Sagen, böse Märchen und antike Stoffe. Nach «Tristan und Isolde» zeigen sie jetzt recht frei nach ...
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Der Künstler, den wir heute ehren, hat sich hier in Hamburg auf eine so eigene wie rätselhafte Weise vorgestellt – ganz ungerührt und in sich ruhend schien sie, diese Vorstellung, und hat doch einen großen Teil des Premierenpublikums so empört, dass man es mit der Angst bekam. Denn eine so lautstarke Wildheit gönnen sich die Anrainer der Elbvororte ja nicht alle...
Das Verhängnis des Potsdamer Theaters nach 1945 war, dass es gar kein Theater gab. Jahrzehntelang fanden Schauspiel, Oper und Ballett in einem umfunktionierten Tanzsaal statt. Als man sich Ende der Achtziger angesichts bedrohlicher Baufälligkeit endlich zu einem Neubau aufgerafft hatte, kam die Wende dazwischen. Den halbfertigen Rohbau ließ die Stadt schließlich...
Who’s afraid of Virginia Woolf?», Edward Albees mit Abstand erfolgreichstes Stück, erlebte seine Broadway-Uraufführung am 13. Oktober 1962: im Oktober jener 13 Tage, in denen die Welt so kurz vor einem Atomkrieg stand wie nie zuvor und nie mehr später. Die Russen hatten Nuklearwaffen auf Kuba stationiert, Kennedy sein Ultimatum gestellt. Es war der Höhepunkt des...
