Hochprozentig
An irgendeinem Tag im Jahr 1983 findet der Schauspieler Michael Degen nach einer Vorstellung in der Garderobe des Theaters im liechtensteinischen Vaduz einen Zettel ohne Unterschrift. Man erwarte ihn im Foyer. In einer dunklen Ecke entdeckt er dort eine Gestalt und erkennt in ihr Oskar Werner, «den ich als mein Vorbild bezeichnet hätte – wäre ich unbescheidener gewesen». Werner lädt Degen in sein Haus in Triesen, «hinauf in meine Teixlburg», ein.
Zögerlich nimmt Degen an – als wüsste er schon, was ihn erwartet: Es wird eine Nacht werden, in der die Qual der Erinnerung die beiden Männer zu Duellanten macht. Eine Alkoholorgie, während der der eine sich offenbart als abgewrackter Künstler mit der gnadenlosen Lust, Illusionen zu zerstören, der andere als ernüchterter, schließlich abgestoßener Bewunderer einer Legende, die sich vor seinen Augen selbst demontiert und körperlich demoliert.
Oskar Werner am Ende seiner Karriere ist nur noch «ein ausgemergeltes Männchen mit den riesigen, ständig tränenden Augen», und während er sich den x-ten Fernet Branca einschenkt, lamentiert er über verlorene Zeiten: «Man muss mit der Vergangenheit sehr ordentlich umgehen, man muss sie durchforsten ...
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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Bernd Noack
Dass die mindestens hundertachtzig Fremdsprachen beherrschende Karrieristin Verena Schütz (Barbara Dussler) nach ihrem Bewerbungsgespräch im Stadtpark beinahe von einer Krähe erschlagen wird, schürt natürlich erst einmal große apokalyptische Hoffnungen. Das Internet versagt, der Strom fällt aus, die Konsumenten schieben Panikattacken, und das Animalische segelt...
Der eigentliche Star des Abends ist das Bühnenbild von Jo Schramm. Da fährt das ganze Erdgeschoss einen Meter nach unten, als wir im Obergeschoss die Schritte des rastlos wandelnden Bankdirektors hören. Gerade so viel versinkt die Bühne, dass wir unter dem tief hängenden Portal die Beine Borkmans sehen können, wie er in einem schwarz ornamentierten Salon auf und ab...
Egal, wie tief sich eine Aufführung in den Wahnsinn hineinarbeitet, am Ende bleibt bei «Macbeth» doch das Gefühl, dass man den Abgrund, in dem das Stück und das Ehepaar gleichen Namens versinken, verfehlt hat. «Macbeth» gilt als eher einfaches Shakespeare-Drama, vor allem wegen der einspännigen Handlung, trotzdem bleibt da etwas, was das Stück am Ende immer tiefer,...
