Was von der Romantik übrig bleibt
Achim Freyer tollt beim enthusiasmierten Premierenapplaus auf der Bühne herum wie ein Kind, das zum ersten Mal Schnee sieht. Am rechten Fuß einen blauen, am linken einen gelben Schuh. Solch kindliche Freude scheint auch seine Bühnenadaption von E.T.A. Hoffmanns romantischer Novelle «Der goldene Topf» von 1814 befeuert zu haben. Freude über die Möglichkeit, sich kreativ vor allem in den Kostümen auszuleben.
Der 85-jährige Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner hat aus Hoffmanns erfolgreichster Prosa im Stuttgarter Staatstheater eine tatsächlich quietschvergnügte Albtraumszenerie gemacht. Alle Neune des Ensembles wechseln ständig Kleider und Masken.
Tod im Tutu
Freyers trashiges Schaubuden-Personal kennt man in Stuttgart, wo er in den 1970er und 80er Jahren Riesenerfolge feierte: So stattete er den Peymann-«Faust» aus, inszenierte an der Staatsoper die Philip-Glass-Trilogie und den «Freischütz». Und auch was sich jetzt alles an Kreaturen auf der Drehbühne des Schauspielhauses tummelt, ist wahrlich kurios: eine riesige Frau etwa, auf der oben ein winziger Puppenkopf steckt, Geschöpfe mit einem Verkehrsleitkegel auf dem Kopf oder einer Kaffeekanne, der Tod im Tutu, Langnasen, ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Verena Großkreutz
SZENE 1 – Niels Monolog
Niels Hallo, guten Abend, mein Name ist Niels Bormann.
Ich möchte mich ganz kurz vorab entschuldigen, dass hier heute ein Stück mit Israelis, Palästinensern und Deutschen stattfindet, das wir schon vor 10 Jahren gemacht haben. Das ist nicht schön. Das tut mir wirklich leid!
Damals an der Schaubühne habe ich damit angefangen, dass ich mich für...
Sieht ein bisschen so aus, als würden jetzt gleich «Glückliche Tage» beginnen, und im nächsten Moment müsste Winnie sagen: «Wieder ein himmlischer Tag.» Die Schauspielerin Ulrike Arnold sitzt in der Mitte der Bühne des Nürnberger Schauspielhauses, leicht erhöht und eingehüllt in einen seidenen Vorhang, der sich über die gesamte Fläche ergießt und auf allen Seiten...
Glückliche Tage! Wenn man Peter Simonischek zuhört, wird einem warm ums Herz. Von St. Gallen über Bern und Düsseldorf an die Berliner Schaubühne und dann weiter ans Wiener Burgtheater. Aus der Fläche an die hochbegehrten Bühnen, an großen Rollen und prominenten Regisseuren wachsen, eine Stadttheater-Karriere nach Maß. Dazu gehörte natürlich auch jede Menge...
