Lonely little girls in a cold world
Der Konjunktiv hat auf der Bühne im Grunde nichts verloren. Indirekte Rede und Schauspiel, das passt eigentlich nicht zusammen. Kathrin Röggla schrieb ihre letzten beiden Theatertexte, «worst case» und «Die Beteiligten», trotzdem im Konjunktiv. Ernst Jandl hat das in seiner Sprechoper «Aus der Fremde» schon vor dreißig Jahren gemacht.
Aber während es Jandl darum ging, eine Form für die ganz persönliche Entfremdung eines Schriftstellers zu finden, ist die indirekte Rede bei Röggla ein medienkritisches Stilmittel – ein Ausdruck für das indirekte Leben von Zeitgenossen, die Fernsehen und Internet mit dem wirklichen Leben verwechseln.
In diesem Sinne dreht sich in «Die Beteiligten» alles um das Entführungsopfer Natascha Kampusch, obwohl deren Name nie genannt wird. Das Personal des Stücks besteht aus einem halben Dutzend Katastrophenjunkies, die von dem Fall besessen sind und Kampuschs mediale Auftritte bis ins Detail analysieren. Rögglas Trick besteht nun darin, dass sie ihre Figuren so reden lässt, als würde Kampusch aus ihnen sprechen. Genauer gesagt: Als würde Kampusch in indirekter Rede wiedergeben, was die Figuren zu ihr gesagt haben. Beispiel: «ich werde jetzt wohl alle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Dezember bringt erstaunliche Zeitreisen zurück ins 20. Jahrhundert, als die Welt noch übersichtlicher war; vor allem in Amerika, damals noch unbestrittene Nummer 1 als Weltwirtschaftsmacht. Mit allen dazugehörigen Klassenausdifferenzierungen, von den Wanderarbeitern in John Steinbecks Roman «Früchte des Zorns» (1939), den Armin Petras fürs Berliner Gorki...
Die griechischen Zuschauer schienen durchaus begeistert, als ein stämmiger weißer Othello mit Fastglatze (Sebastian Nakajew) diesen Sommer in ihrem monumentalen Amphitheater von Epidauros den Golfschläger schwang. Peloponnesische Insider jedenfalls bezeichneten den Applaus, der dem Regisseur Thomas Ostermeier von den antiken Marmorrängen entgegen schlug, als...
Hmm … was wünsch ich mir denn vom Christkindl? Erst einmal hat es mich in diesem Jahr schon reich
beschenkt. Meiner und der Arbeit meiner fast 2000 Akteure bei den Oberammergauer Passionsspielen wurde in diesem Jahr so viel Aufmerksamkeit beschert, dass ich es fast nicht wage, mir noch etwas zu wünschen. Und trotzdem: Ich wünsche mir Mut.
Ich wünsche mir, dass wir...
