Mit Grotowski, ohne Metaphysik
Die alte Milchfarm wirkt mit ihren rotgestrichenen Ställen wie aus einem Neuengland Bilderbuch, und der Broadway ist weit weg. 1994 richtete sich hier, im dünnbesiedelten Hügelland im Westen von Massachusetts, das «Double Edge Theatre» als Laboratorium ein. Stacy Klein hatte das Theater rund zehn Jahre zuvor in Boston als eine feministische Truppe gegründet, die außerdem von den Ideen Jerzy Grotowskis inspiriert war. Damit war klar, dass man an der Welt des kommerziellen Großstadttheaters nie teilnehmen würde.
Aber gleich ganz aufs Land zu ziehen, das schien ein geradezu verrücktes Wagnis, vor allem im Hinblick auf das Publikum, das sich erst mal nur aus den benachbarten Farmern und einigen Sommerfrischlern aus Boston und New York rekrutierte. Doch dann sprach sich herum, dass die Truppe, die zum größten Teil in den Farmgebäuden auch wohnt, sogar internationales Renommee entwickelte, während sie vor Ort etwa «Die drei Musketiere» als pittoreskes Landschaftstheater aufführte.
An der Straßenbiegung auf Google Earth
Mittlerweile ist «Double Edge» außerdem ein Modell der creative economy in der touristisch schwach entwickelten Gegend. Für den nachweislichen Besucherverkehr gewährt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine gehörige Portion Frechheit gehöre schon dazu, räumt Tristan Vogt ein und ordnet auf dem wackligen Campingtisch die Welt neu. Es ist Kafkas Welt in diesem Fall, aber das sieht man der Szenerie eigentlich gar nicht an. Klischees haben auf der Resopalplatte sowieso keinen Platz. Das Schloss, um das es hier gehen soll, muss man sich auch denken; das Dorf besteht...
Im freundlichen Hotel, das das Krakauer Goethe-Institut den deutschen Journalisten und Theaterleuten zur Premiere von Andrzej Stasiuks Grenzland-Farce «Warten auf den Türken» reserviert hat, liegt eine praktische kleine Broschüre in englisch aus, «locally produced»: «Krakow in your pocket». Sie enthält unzählige Restauranttipps für die unzähligen Restaurants in der...
Als sich der Kleinbus von der Nähe des Damaskustores aus in Richtung Ramallah in Be-wegung setzt, ist es noch früh am Morgen. Von Jerusalem bis nach Ramallah sind es nur knappe 15 km. In diesem Landstrich können 15 km allerdings Welten trennen. Kaum hat der Bus die Stadtgrenze im Norden hinter sich gelassen, erreichen wir Kalandia, einen der größten israelischen...
