Wovor hat man Angst?
Wie ein Blick und ein Begehren das Tabu zunichte macht, wie der Furor jede Regel bricht, und wie ein gut gezielter Schuss die Liebesschlacht beendet – selbstverständlich ist es selbst im Theater nicht, dass der Überfall des Außergewöhnlichen derart hart und scharf und haargenau ins Herz und an die Nieren geht.
Als aber Shakespeares Gräfin Olivia, gelangweilt vom ewigen Werben des überkandidelten Schwärmers von nebenan, nun doch lieber dessen schmucken Liebesboten ins Auge fasst, wird nichts mehr bleiben, wie es war; und als Lady Macbeth den Gatten, der ja noch zögert, wie ein grausiger Nachtmahr in wildem, wüstem Wahn und als eigentliche Schicksalshexe in Schlacht und Mord zu treiben beginnt; als gar die antike Medea, neu ins heutige Leben, ins Lieben und Leiden unserer banalen Zeit gestellt, den verlorenen Kampf um den Mann kalt und monströs mit einem Schuss auf das Kind beendet – in all diesen Schrecksekunden brennt das Feuer auf den ersten Blick.
Drei Mal ist das Anne Ratte-Polle, drei blitzlichtartige Momente sind das auf dem Weg, den die Schauspielerin in den vergangenen drei Jahren am hannoverschen Schauspielhaus gegangen ist. Immer wieder und in den verschiedensten Rollen ...
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Stuttgart hat eine beneidenswerte Mitte, mit Neuem Schloss, Landtag, Oper, Schauspielhaus, Württembergischem Kunstverein und neuerdings dem Glaskubus des Kunstmuseums, alles im oder am Schlosspark, mit flachem See, viel Rasen, im Sommer dicht bevölkert. Während «Theater der Welt» ist auch der See bevölkert, bestückt mit einem Steg, auf dem Steg eine Bar,...
tür auf / einer raus / einer rein / zweiter sein», heißt es bei Ernst Jandl. «tür auf / einer raus / einer rein / nächster sein // tür auf / einer raus / selber rein / tagherrdoktor». In Deutschlands erfolgreichster Talkshow ist es genau umgekehrt: Vier- bis fünfmal pro Sendung geht in der «Johannes B. Kerner Show» die Tür auf, ein Gast kommt herein, plaudert mit...
