Kriegsheimkehrer mit verbrannter Seele

Horst Busch über Kerstin Specht «Odysseus!»

Theater heute - Logo

Kerstin Spechts Odysseus ist kein Held, und der Theatertext, den sie zusammen mit Dr. Manolis Manussakis, Chefkoch der Taverne «Kalypso» in München, schrieb, ist keine Heldensage. Er ist keine moralische Rechtfertigung altgriechischer Kolonisationsversuche, sondern eine Fortschreibung des antiken Mythos aus einer heutigen, lakonisch gebrochenen Perspektive voller Sprachwitz und Situationskomik.

Ihr Odysseus ist ein ergrauter Mann mit Bauchansatz und Plattfüßen, der nach zwanzig Jahren Krieg und Odyssee traumatisiert nach Ithaka heimkehrt und ernüchtert erkennen muss, dass ihm der häusliche Alltag fremd geworden ist. Seine ihm treu gebliebene Frau Penelope ist «rund wie eine Tonne» und sein Sohn Telemach ohne ihn groß geworden. Was soll er hier? Aber auch Penelope kann nur ernüchtert feststellen:

Schämst du dicht nicht
So zurückzukommen
Deine beschissenen Abenteuer
Haben dich alt gemacht ...

Eine nicht gemeinsam ge- und erlebte Zeit ist selten eine ausreichende Basis für eine glück­liche Beziehung, und so begibt sich der rastlose Odysseus erneut auf Reise. Auf seine zweite Odyssee! Diesmal auf der Suche nach der eigenen Identität. Und so landet er wieder in Sparta bei seiner Geliebten, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 182
von Horst Busch

Weitere Beiträge
Auslaufmodell Demokratie

Jalta? Verdammt, was war das noch? Traumhafte Kulisse, perfektes Welttheater. Was 1943 auf der Teheran-Konferenz arrangiert und 1945 in Potsdam umgesetzt wurde – in Jalta wurde schon mal darauf angestoßen. Ein Intermezzo, ein Treffen der «Gro­ßen Drei» bei kaukasischem Champagner. Ein PR-Coup Stalins, den Blick klar auf eine neue Weltordnung gerichtet. Diese hielt...

Das zweite Mal

Karin Beier, Stefan Bachmann und Armin Petras haben alle schon ein Theater geleitet. Und starten 2013 in ihre zweiten Intendanzen. Dabei ist der Beruf zwischen Theaterbetrieb, Kulturpolitik und künstlerischem Anspruch nicht einfacher geworden. Was wird im zweiten Anlauf anders? Welche Erfahrungen nimmt man mit? Welche Fehler will man kein zweites Mal machen? Und...

Innovation und Stabilität

Als Karin Beier 2007 in Köln ihre erste Spielzeit als Intendantin begann, war nicht nur das Schauspiel Köln in einer unglücklichen Lage. Das deutsche Stadttheatersystem stand in der Kritik von zwei Seiten: zu teuer bei zu geringer gesellschaftlicher Resonanz, kritisierte die Kommunalpolitik (und deren Transmissionsriemen, die Kulturpolitik); zu unbeweglich, zu...