Sinn ist auch nur eine Sucht
Irgendwann Ende der 90er, Anfang der Nuller Jahre war Benjamin von Stuckrad-Barre, dieser deutsche Namenswitz aus Rotenburg an der Wümme, Pastorensohn, Schulversager und Udo-Lindenberg-Fan, tatsächlich ganz oben. Als Spezialist im «Hineinschlawinern» in hippe Locations hatte er es vom pickeligen Oberschüler innerhalb kürzester Zeit zum «Rolling Stone»-Redakteur, Musikproduzenten, Schmidt-Show-Gagschreiber, Bestsellerautor und Talkshow-Dauergast gebracht.
Die jeweiligen Aufenthalte waren immer gerade eben kurz genug, um vorm Auffliegen wegen Inkompetenz, Chaos oder sonstiger Hochstapelei unter heftigem Visitenkarten-Gewedel eben noch den Absprung zur nächsthöheren Berufung zu schaffen.
Da träumt einer den Traum von Großstadt, Ruhm, Erfolg und aufregendem Leben, das immer irgendwo anders ist, erst in Göttingen, dann Hamburg, dann Berlin, Köln, schließlich Zürich oder Hollywood. Und überall, wo er hinkommt, ist es nur genauso piefig und provinziell wie da, wo er losgelaufen ist. Die «Rolling Stone»-Redaktion – ein müder, vertrashter Zwei-Mann-Altherrenbetrieb. Die Schmidt-Show – ein chefhöriger Witzelieferanten-Verein aus lauter kleinen Harald Schmidts. Das legendäre Film- und ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 31
von Franz Wille
Aufführungen
Sag zum Abschied leise Servus: Mit Shakespeares letztem Stück «Der Sturm» verabschiedet sich Intendant Tobias Wellemeyer nach 9 Jahren vom Potsdamer Hans-Otto-Theater; in Zürich hat sich Peter Kastenmüller für Stuckrad-Barres «Panikherz» entschieden, um dem Theater Neumarkt Adieu zu sagen. Auch für Armin Petras geht die Intendantenzeit in Stuttgart...
Nein, es gibt keinen äußeren Anlass, warum tout Munich nun schon seit Februar und noch bis zum Sommer im «Faust»-Fieber schwelgt. Jeder ist eingeladen, und alle sind gekommen. Zwischen 100 und 500 Veranstaltungen sollen es sein, keiner weiß das so genau, Lesungen, Aufführungen, Konzerte, Spaziergänge sprießen wie die Frühlingszwiebeln. Die Paulaner-Brauerei lockt...
Früher war Liebe bei Peter Turrini eine Kampfansage. Auf einer Müllhalde («Rozznjogd»), im Kaufhaus («Josef und Maria») oder in der Berghütte («Alpenglühen») kamen die seltsamsten Paare zusammen, und immer stellten sie die kleinstmögliche Form von Bandenbildung dar: zwei gegen den Rest der Welt. Das Rentnerpaar aus seinem neuen Stück «Fremdenzimmer» hat seine...
