Trauma und Ehre

Lessing «Minna von Barnhelm»

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«Minna von Barnhelm» ist gleichsam eine knappe (einen Tag währende) psychoanalytische Kur, die das sächsische Edelfräulein am widerstrebenden Major Tellheim praktiziert: Was hat es denn mit dessen Kriegs-Traumatisierungen wirklich auf sich, wie sehr ist er «verkrüppelt», ein «Bett­ler», «unglücklich», und ist es denn wahr, dass «ein Unglücklicher gar nichts lieben muss»? Das Fräulein schlägt sich, assistiert von der munteren Sprechstundenhilfe Franziska, in der selbst­gewählten Rolle gar nicht schlecht, nur findet sie am Ende so viel Gefallen daran, dass sie ihre Bemühunge

n doch ein wenig übertreibt …

Man hätte sich ohne weiteres vorstellen können, dass Karin Neuhäuser in ihrer Mülheimer Inszenierung aus purem Spaß an komödiantischen Volten und Finessen und dank eines spiellaunigen Ensembles den Aspekt des Therapeutischen am klassischen deutschen Lustspiel tiefer auslotet – wenngleich Gralf-Edzard Habbens Bühne kein freudianisches Labor, sondern eine Art Kostüm- und Requisitenfundus zeigt, dessen Mitarbeiter einem Spielzwang zu folgen scheinen: Aus den Pappkartons, die der mitspielende Requisiteur herbeischleppt, holen sie die gelben Reclamheftchen hervor, die sie zum Aufführen der ...

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Theater heute März 2013
Rubrik: Chronik: Mülheim, Seite 50
von Martin Krumbholz

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