Verführung durch Authentizität
Schon als junge Generalmusikdirektorin des Theaters Erfurt ließ sie aufhorchen. Nun hat Joana Mallwitz binnen einer Saison das Orchester des Staatstheaters Nürnberg auf eine neue, aufregende Ebene geführt. Mit Prokofjews «Krieg und Frieden», Wagners «Lohengrin» und einer Reihe von Konzerten. Schon interessieren sich Frankfurt und München für eine Musikerin, die hellsichtige Analysen mit bestechendem Handwerk verbindet. Und ihre Erkenntnisse dem Publikum nie gefallsüchtig entgegenstreckt.
Ihre Projekte bereitet die 33-Jährige hypergenau vor und strahlt doch bei allem, was sie anpackt, eine Natürlichkeit aus, die Musiker, Sänger und Zuhörer gleichermaßen mitreißt. Auch deshalb wurde sie «Dirigentin des Jahres»
Frau Mallwitz, was hat sich für Sie nach einem Jahr Nürnberg verändert?
Es hat sich sehr schnell herausgestellt, dass dies gerade der absolut richtige Platz für mich ist – an diesem Theater und in dieser Stadt. Es gibt mit der Staatsphilharmonie ein großes gegenseitiges Vertrauen, mit Risikobereitschaft und Leidenschaft zu musizieren, deshalb freue ich mich auf jede einzelne Probe. Man plant so eine erste Saison mit langwierigem Vorlauf und vielen Hoffnungen. Aber dass sie am ...
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Opernwelt Jahrbuch 2019
Rubrik: Dirigentin des Jahres, Seite 52
von Markus Thiel
Die Zahlen sprachen für sich: 680 Beteiligte, 450 Proben, 15 Stunden Musik – der dreitägige Stockhausen-Zyklus «Aus Licht» im Amsterdamer Gashouder unter der musikalischen Leitung von Kathinka Pasveer geriet zu einem Mammutprojekt. Das Ergebnis dieser musiktheatralen Koproduktion zwischen Nationaloper, Holland Festival, dem Königlichen Konservatorium in Den Haag...
Populär ist «Die Frau ohne Schatten» in den 100 Jahren seit ihrer Uraufführung am 10. Oktober 1919 an der Wiener Staatsoper nicht geworden. Dank ihres Textbuchs (des literarisch vielleicht anspruchsvollsten der Operngeschichte), der offenen Symbolik des Plots und der Attraktivität ihrer fünf Hauptrollen reizt sie dennoch gerade in jüngster Zeit immer wieder...
Herr Waldschmidt, wie sind Sie eigentlich auf Albéric Magnards Oper «Guercœur» gestoßen?
Das hat mit der Stadt zu tun, in der ich nun seit acht Jahren das Theater leite. Als ich mich um die Intendanz des Theaters Osnabrück bewarb, habe ich mich intensiv mit der Geschichte und Gegenwart des Ortes und der Region beschäftigt. Aus guten Gründen nennt sich Osnabrück...
