Tote leben länger
Die Rote Flora konnten sie damals noch retten. Aber trotz massiver Proteste der autonomen Szene in Hamburg, die kein Musicaltheater in ihrem Schanzenviertel haben wollte, trotz Feuilletondebatten, in denen Theaterintendanten gegen die «Verblödungsmaschinen» wüteten, war der Boom des kommerziellen Musicals in Deutschland nicht mehr aufzuhalten. 1986 hatte «Cats» in Hamburg Premiere und lief 15 Jahre lang mit über 6000 Aufführungen. Ähnlich hohe Zahlen fuhren «Das Phantom der Oper» und der seit 1988 unkaputtbare «Starlight Express» in Bochum ein.
Heute gilt Deutschland nach New York und London als der drittgrößte Musicalmarkt der Welt. Fünf Musicaltheater stehen in Hamburg, ein gutes Dutzend weitere in anderen deutschen Großstädten, einige davon wurden schon wieder geschlossen. Derzeit stößt der Veranstalter Stage Entertainment seine Theater in Essen und Oberhausen ab, die kleinere Spielstätte Werk 7 in München wurde aufgegeben, in Berlin übernimmt der Cirque du Soleil das Theater am Potsdamer Platz. Die großen Premieren bleiben aus, in immer kürzerer Rotation jagt der Marktführer derzeit leichtgewichtige Bühnenadaptionen berühmter Filme durch seine Theater oder wiederholt ...
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Tanz Februar 2020
Rubrik: Musical, Seite 22
von Angela Reinhardt
Natascha Moschini ist seit Januar Associate Artist der Berner Dampfzentrale. Diese Möglichkeit erhalten Kunstschaffende, die in der Berner Kultur aktiv und national wie international vernetzt sind. Für die 1982 geborene Stuttgarterin bedeutet die Ernennung eine große Auszeichnung: Im Rahmen des Förderprogramms wird sie künstlerisch eng begleitet und erhält...
In einer Rezension des deutschen Musikfilms «Ich war noch niemals in New York» las ich: «Man sollte sich bei Musicals nicht an der Triftigkeit von Handlungen aufhalten.» Ob es einen Kritiker in New York gibt, der so eine These wagen würde? Ich war im Herbst eine Woche in New York, um mir Musicals anzuschauen. Vom Schauspiel und der Schauspielausbildung kommend,...
Wer sieht wen an und von wo aus? Was macht das aus? Dass die Zuschauer von zwei Seiten eine Bühnenaufführung betrachten, sich also gegenübersitzen, ist längst nicht mehr ungewöhnlich. Auch Ohad Naharin baut seinem neuen Stück «2019» eine solche Zwei-Fronten-Situation. Die Botschaft des Arrangements – «seht euch beim Zuschauen zu» –, nimmt man leicht amüsiert zur...
