Gefühlsrausch
Die Akademie der Künste im Berliner Tiergarten hat wenig architektonisches Erregungspotenzial zu bieten: ein zweckdienlicher Bau mit großen Fenstern mitten im Grünen, der gleichwohl Kultstatus genießt. Mithin der richtige Ort, um Ursula von Keitz und Ralf Stabel zu treffen: Sie leitet das Potsdamer Filmmuseum, er die Staatliche Ballettschule Berlin – beide sind also mit Kultphänomenen befasst und wissen auch um deren gefühlsökonomische Effekte.
Deshalb fand sich Ralf Stabel unlängst als Vortragender auf einer Konferenz des Potsdamer Einstein-forums wieder, die Ursula von Keitz mitorganisiert – Thema: «Emotion im Kino». Was genau hat der Tanz da beizutragen?
Wenn Sie Film, Tanz und Emotion zusammendenken – was fällt Ihnen da als prägendes Erlebnis ein?
Ursula von Keitz: Für mich gibt es da einen Schlüsselfilm, und das ist Friedrich Wilhelm Murnaus «Der Gang in die Nacht» von 1921. Er zeigt uns eine junge Tingeltangel-Tänzerin auf der Bühne und ihre Inter-aktion mit dem Publikum. Das geht, weil die Kamera Gesichter in Nahaufnahmen einfangen oder durch ein Loch im Bühnenvorhang spähen kann. Andererseits steht diesem öffentlichen Show-Tanz eine spätere, private Filmszene ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Februar 2020
Rubrik: Ideen, Seite 54
von Dorion Weickmann
Rabih Mroué, den Künstler und Choreografen aus dem Libanon, hat der Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 tief verwundet. In seinem jüngsten Stück für die Tänzerinnen und Tänzer vierzig plus des Berliner Dance On Ensembles, «You should have seen me dancing Waltz», hört man anstelle von Musik eine Stimme. Dance-On-Ensemble-Leiter Ty Boomershine spricht über Politiker, als...
Prix de Lausanne
Mitfiebern gilt ja nicht nur bei Olympia, sondern auch beim «Prix de Lausanne», dem prestige- und traditionsreichen Ballettwettbewerb, der Anfang Februar in diesem Jahr in Montreux im Auditorium Stravinski stattfindet. Die 15- bis 18-jährigen Kandidaten (m/w/d) aus aller Welt konkurrieren um Preise und Belohnungen in Form von Stipendien an...
Ein Bolzplatz, irgendwo in Brüssel, Anfang der 1980er-Jahre. Eine Jungs-Combo drischt den Ball ohne Rücksicht auf Verluste und obwohl ein Steppke mit von der Partie ist, der kaum mithalten kann. Er rackert und ackert, was das Zeug hält. Nützt alles nichts. Am Ende des Nachmittags mosern die Kicker den größeren Bruder an – kann der Winzling da nicht künftig...
