Was heißt schon normal?
Franz Wille «Life and Times» ist ein Crashkurs über den amerikanischen Durchschnitt. Das vielstündige, detailversessene Telefon-Interview, in dem die NT-Schauspielerin und -Musikerin Kristin Worrall von Kindheit an ihr Leben erzählt, kollidiert in den verschiedenen Episoden mit unterschiedlichen populären Unterhaltungsformaten; mit Spartakiade-Übungen im ersten Teil, Standard-Musical-Choreografien oder altmodischem Krimi-Theater in den folgenden Teilen. Das normale Leben hat nach diesen Kollisionen seine selbstverständliche Normalität verloren.
Warum trauen Sie eigentlich der Normalität nicht?
Kelly Copper Das aufgezeichnete Gespräch mit Kristin würde ohne eine Verfremdung – ob durch Spartakiade, Choreografie oder Boulevardtheater – keinen Sinn machen. Diese Art Alltagsmaterial umgibt uns ganz selbstverständlich als normales Leben, und wir hören nicht hin oder nehmen es nicht wirklich wahr. Deshalb interessiert es uns. Es ist irgendwie totes Material – dabei extrem widerstandsfähig gegen alles, was wir damit anstellen wollen. Wir suchen das Besondere im Alltäglichen, wir suchen das Allgemeine im Persönlichen, wir versuchen, ursprünglich völlig undramatisches Material dramatisch zu ...
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Theater heute Juni 2013
Rubrik: Akteure, Seite 32
von Franz Wille
Das zweite Leben auf der Bühne: Suse Wächter spielt mit und durch Suse Wächters Puppen – ein Porträt
Seit 2008 leitet Stefanie Carp das Schauspielprogramm der Wiener Festwochen – eins der größten europäischen Festivals. Ein Gespräch zum Abschied
Wie fühlt man sich als augenscheinlicher Ausländer, wenn man am Tag nach einem Anschlag durch die Straßen der Großstadt...
Was Berlin anlangt, so kann man es, wenn man am Hauptbahnhof aussteigt, gleich kennenlernen. Da gibt es nämlich zwei Sachen. An der Nordausfahrt steht – das hat mich immer sehr beeindruckt: ‹Bombardier begrüßt Berlin.›
Und an einer Wand etwas schamhaft in der Ecke auf einer Etage dieses Bahnhofs steht vor Glas und von hinten beleuchtet ein Spruch. So, dass man ihn...
Was hat König Ödipus mit der Finanzkrise zu tun? Weil die «Schuld» des Königs, der unwissentlich den Vater erschlagen und die Mutter geheiratet hat, so ähnlich klingt wie «Schulden»? Weil die zahlungsunfähigen amerikanischen Eigenheimbesitzer ihre Kreditverträge ebenso wenig überpeilt haben wie der Thebaner seine Familienverhältnisse? Oder weil sie ihre Häuser...
