Understanding Media
Wäre das Fernsehen eine überregionale Tageszeitung, wäre die «Kulturzeit» das Feuilleton. Jenes Zeitungsbuch also, das der kulturbeflissene Leser schlechterdings nicht ignorieren, wohl aber sorgsam gefaltet für eine spätere Musestunde zur Seite legen kann. Genau da fängt das Problem für die «Kulturzeit» an: Das Fernsehen mag mit seinen verschiedenen Informationssparten – Nachrichten! Sport! Unterhaltung! – inhaltlich organisiert sein wie eine Zeitung.
Einem darin enthaltenen Feuilleton stehen mit der Glosse, dem Bericht, dem Interview, dem Essay, den Kurzmeldungen sogar ganz ähnliche Formen zur Verfügung. Aber anders als das Zeitungsfeuilleton quält sich jedes TV-Kulturmagazin mit seiner notwendigerweise linearen Angebotsstruktur. So können die Leser der «F.A.Z.» oder der «taz» mit einem Blick auf die Kulturseiten auswählen, mit welchen Texten sie ihre Lesezeit verbringen wollen. Die Beiträge der «Kulturzeit» spulen sich aber stur hintereinander ab. Während der Leser, der sich nicht für Michel Houellebecqs neuesten Roman «Die Möglichkeit einer Insel» interessiert, also einfach etwas anderes lesen kann, muss der Zuschauer der «Kulturzeit» diesen Beitrag zwangsweise mitsehen – oder ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Corinna Harfouch hat bereits einige der sperrigsten Frauenfiguren gespielt, die die deutsche Geschichte hergibt: Eva Braun auf der Bühne, Magda Goebbels und Vera Brühne im Film. In Dagmar Knöpfels «Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern» spielt sie nun zur Abwechslung eine tschechische Dichterin des 19. Jahrhunderts, aber man erkennt sofort, warum Frau...
Jeder Mensch ist ein Ozean, jedenfalls solange man ihn nicht genauer kennt. Ein Satz, so tief wie der Atlantik – und auch der kann ziemlich seicht sein. Aber dazu später.
«Das Treffen» von Thomas Oberender und Sebastian Orlac (Regie Markus Dietz) ist ein vielfältig einsetzbares Multifunktions-Kunstwerk, und da darf nicht überraschen, wenn die Situation am...
Der Kabuki-Klassiker «Tokaido Yotsuya Kaidan» ist jedem Japaner geläufig, aber niemand scheint ihn richtig zu kennen. Alle, die ich befragte, erzählten die Geschichte von der Frau mit dem entstellten Gesicht, die zum Geist wird, und dann wussten sie nicht weiter. Dabei ist das nur eine, wenn auch die berühmteste von gut zwei Dutzend Szenen. Selbst im ehrwürdigen...
