Unter Zombies
Wer denkt, dass man sich als Ausländer hierzulande integrieren sollte, muss sich unbedingt mal die Brasiliendeutschen ansehen. Die stolzen Alteuropäer, Nachfahren neugieriger oder auch nur überlebensaktiver Auswanderer vom Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, leben zum Teil schon in der fünften oder sechsten Generation in ihrer neuen Heimat in Santa Catarina und achten trotzdem auf die guten, alten Dinge. Deutsche Wurst und deutscher Grünkohl, deutsche Musik und vor allem deutsche Sprache werden inniglich bewahrt und verehrt.
Auf den Leerfahrten Hamburger Zuckerschiffe waren ihre Vorfahren einst billig nach Südamerika geschippert und hatten sich mit wechselndem Glück dort niedergelassen. In ihren Communities blüht bis heute, was sie für deutsche Kultur halten – und was sich bei näherer Betrachtung nicht zuletzt als deutsches Ressentiment entlarvt.
«Ohne uns Deutsche sähe Brasilien heute anders aus», ist noch einer der harmloseren Sätze aus den vielen Interviews, die das Team des Deutschen Schauspielhauses für «Pfeffersäcke im Zuckerland» mit alteingesessenen Deutschbrasilianern geführt und in zehn Kurzmonologe verdichtet hat (Dramaturgie Christian Tschirner). Vorgeführt ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Franz Wille
Die letzte Rolle, die Guntram spielte, war Faust. In einer kurzen Paraphrase des zweiten Teils, die Patrick Steinwidder für das Nachwuchsfestival «MarstallPlan» am Ende der letzten Spielzeit unter dem Titel «Final Faust II Fantasy» entwickelte, wurde dieser Faust von einer Schwester, die verdächtig viele Mephisto-Texte sprach, in einem Krankenzimmer beim Sterben...
Franz Wille «Furcht und Ekel» handelt vom alltäglichen Rechtsextremismus und trägt den schönen Untertitel «Das Privatleben glücklicher Leute». Was ist das Glück dieser Leute?
Dirk Laucke Schon der Titel ist natürlich eine doppelte Anlehnung, einerseits an Brechts «Furcht und Elend im Dritten Reich» und Franz Xaver Kroetz’ «Furcht und Hoffnung in der BRD». Und der...
Die Liebesbotin zwischen Romeo und Julia zu spielen, ist eine Aufgabe, der man erstmal gewachsen sein muss. Julias Amme (Karin Neuhäuser) jedenfalls ist es nicht und verliert das Bewusstsein. Nicht schlimm: Ein Schluck Hochprozentiges bringt sie wieder auf die Beine, nur die Liebesbotschaft ist nicht mehr zu 100 Prozent vertrauenswürdig. «Rum», lallt sie beseelt,...
