Arbeit am Fundament
Seit einem Jahr ist Sewan Latchinian Intendant der «Neuen Bühne» in Senftenberg. Abends ist es hier still. Der Senftenberger See, ein ausgekohltes ehemaliges Tagebaurevier (1973 auf staatliche Weisung geflutet), ist mit seinen 1300 Hektar Wasseroberfläche, Tiefe bis 19 Meter, der erste in einer sich weithin verflechtenden Seenkette, die diesem ausgepowerten Landstrich der Lausitz eine touristische, also auch wirtschaftliche Perspektive sichern soll. Noch sind die grün bewachsenen Ufer offen für jedermann, keine Zäune, keine Kassenhäuschen. Dieser Juni-Abend ist ein besonderer.
Nachdenklich studiert Sewan Latchinian die Gesichter der Leute, die zu hunderten aufgekratzt aus dem Amphi-Theater strömen. Die Rechnung ist aufgegangen. Freude sollte dieses Theater, das einmal «Theater der Bergarbeiter» hieß, in dieses Städtchen mit steigender Arbeitslosenquote, jetzt schon bei 30 Prozent, bringen, Zuversicht und die Gewissheit des eigenen Wertes. Zu den vielen Projekten, die er in Angriff nahm, gehört, als sommerliche Krönung gewissermaßen, dieses Internationale Komödienfestival, das Touristen und Einheimische zu drei extra Haus-Inszenierungen und drei Comedy-Gastspielen aus dem In- und ...
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Was warst du am 8. Mai 1945?» Die einzige Talkshowfrage, die in Nicolas Stemanns Theaterfassung des Antikriegsromans «Schlachthof 5» von Kurt Vonnegut gestellt wird, gehen die Hannoveraner Schauspieler streng gruppentherapeutisch an. Brav hocken sich Sonja Beißwenger, Matthias Neukirch, Peter Knaack und Matthias Buss auf den psychedelisch gemusterten,...
In der Wiese gelegen, geraucht und geschaut. Am Seeufer, das Treiben der Gänse im Blick. Was für ein verführerischer Gedanke, dass dieses Idyll schon Wissenschaft sein könnte. Er sei von Natur aus ein fauler Mensch, gestand Konrad Lorenz in seinem bekanntesten Buch «Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen». Das ganze Geheimnis seiner Arbeit liege im...
Wie ein Blick und ein Begehren das Tabu zunichte macht, wie der Furor jede Regel bricht, und wie ein gut gezielter Schuss die Liebesschlacht beendet – selbstverständlich ist es selbst im Theater nicht, dass der Überfall des Außergewöhnlichen derart hart und scharf und haargenau ins Herz und an die Nieren geht. Als aber Shakespeares Gräfin Olivia, gelangweilt vom...
