Blinde Rache
Walter ist die Ruhe selbst, und er hat auch allen Grund: Denn er wird von Sepp Bierbichler gespielt, und der ist ein Behauptungsmassiv, das jede Bühnensituation in eine unverrückbare Glaubwürdigkeit stemmt.
Sepp Bierbichler steht, trinkt, sitzt und redet wie das Matterhorn: stämmiger Gleichmut, etwas vierkantig und vieltausendtonnenfach gelassen, an den Rändern sympathisch bröckelnd.
Manchmal zittert die linke Hand mechanisch mit den Fingern, oder er wippt unternehmungslüstern auf den Fußballen: Da spielt einer Aufregung, dem sie so fremd ist, dass er schon zu parkinsonklaren Ausdrucksmitteln greifen muss, wenn eine gewisse Unruhe im Text gar nicht zu vermeiden ist. Aber seine Stimme rückt den Oberflächenschein schnell wieder zurecht: ein gedämpfter Ton aus der tieferen Kehlenregion, weder besonders kraftvoll noch durchdringend, eher heiser und rachenwund, aber unabweisbar eindringlich. Dieser Mann sagt nicht ein Wort zuviel, und schon deshalb sollte man besser keines davon verpassen.
Marius von Mayenburgs «Augenlicht» ist eine moderne Kaspar-Hauser-Variante, familientragisch konstruiert. Walter hält seine blinde Tochter in einem verschlossenen Zimmer seiner Wohnung verborgen; ...
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