Kontinent der Werte
Warum eigentlich Europa verteidigen? Eine zerklüftete Territorialplatte mit unklarer Ostgrenze und recht diffuser paläoanthropologischer Vergangenheit, die nicht unwesentlich auf einen afrikanischen Einwanderer zurückgeht, den bis heute erstaunlich agilen Homo Sapiens. Wer herkunftsgeschichtlich argumentiert, hat es mit den Europäern nicht leicht, und auch sonst sprechen viele Gründe nicht unbedingt fürs gute alte Abendland im spätmodernen Dämmer seiner Aufklärung.
Man muss gar nicht die aktuelle Europaskepsis aus Bürokratiekritik, Elitenüberdruss und Verteilungsungerechtigkeit aufrufen oder auf repressive Wirtschaftsdominanz und notorische Drittweltausbeutung hinweisen. Moralisch hilft auch der Blick zurück nicht weiter. Der kleine Kontinent ruht historisch auf einer beeindruckenden Gewaltgeschichte all derer, die versucht haben, ihn zu einigen. Von den pragmatischen Wikinger-Schlagetots über die Kreuzfahrer, deren Christentum ein bequemer Vorwand für Plünderung und Wirtschaftskriege war, bis zu den Römern mit ihren afrikanischen Expeditionen reicht eine dicke Blutspur ins 20. Jahrhundert, wo Kaiser Wilhelm und seine zackigen Militärs auch mal europäische Kolonialmacht spielten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Franz Wille
Dank der editorischen Bemühungen von Günther Rühle ist der Theaterkritiker und vor allem auch der Chronist der aufstrebenden Weltstadt Berlin, Alfred Kerr, heute wieder ein bekannter Autor. Mitarbeiterin der Kerr-Edition ist seit vielen Jahren die in London geborene Literaturwissenschaftlerin Deborah Vietor-Engländer, deren Familie wie die Kerrs aus...
Begegnungen mit dem Schauspieler Franz Rogowski. Das erste Mal: 2011 in Salzburg. Wir saßen mit Philipp Hochmair in einem Café abseits des Festspieltrubels und sprachen über den «Faust» von Nicolas Stemann, der in den nächsten Tagen Premiere haben würde. Auf einem Rennrad mit für das Kopfsteinpflaster viel zu dünnen Reifen kam ein junger Mann mit höchst...
Andrzej Wajda: Ich habe nicht viel Zeit, verstehen Sie. Wer 90 ist, ist ein alter Mann. Deswegen beeile ich mich und denke schon an den nächsten Film. Solange ich stehen kann, ausreichend Kraft habe, um mich beim Filmteam durchzusetzen, solange werde ich drehen.
Donata Subbotko: Hatten Sie vor, so alt zu werden?
Wajda: Nein. Als der Krieg zu Ende ging, war ich 19,...
