Heidelberg: Alltägliche Paarwesen
Shakespeare verhandelte die Dramatik der exotischen Paarbindung in «Othello». Puccini lieferte mit «Madame Butterfly» das Musiktheater zum Thema. Der britische Seemann Fletcher Christian versteckte sich nach der Bounty-Meuterei mit seiner tahitianischen Maimiti lieber gleich auf einer Insel jenseits aller Schiffsrouten. Das wären so die literarischen Vorlagen gewesen, die Gesine Schmidt zu Rate hätte ziehen können, wäre es ihr um mögliche dramatische Grundierungen im Zusammenleben binationaler Paare gegangen.
Die Dramaturgin und freie Autorin beschränkte sich aber auf die dokumentarische Recherche, als sie 2012 dem Vorkommen des binationalen Paares in China nachspürte. Im Programmheft der Heidelberger Uraufführung von «Pfirsichblütenglück» erfahren wir, sie habe «zehn Interviews mit Paaren und Einzelpersonen» geführt. Im Theatertext zu Wort kommen zwei Paare und zwei Einzelstimmen. Da wäre die Austausch-Germanistin Huang (30), die von Peking an die FU Berlin wechselte und Jan (33) kennenlernte. Er ging später als DAAD-Stipendiat mit nach China, hatte aber Probleme mit der Sprache. Brit (40) erzählt, dass die chinesische Schwiegermutter in Peking ihren Stil der Kindererziehung ...
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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Jürgen Berger
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