Alte Bekannte, frische Geschichte, neue Version
Eine Leiche im Keller belebt jedes Drama. Und wenn das Stück unbeerdigte Vergangenheit da unten auch noch von historischer Verstrickung erzählt, dann braucht man sich um die exemplarische Bedeutsamkeit fast schon keine Sorgen mehr zu machen. Fast. Denn nicht alle Vergangenheiten sind gleich, und die jüngste ist nicht immer die explosivste. Jedenfalls nicht im Frankreich von heute.
Glücklicherweise ist Joël Jouanneaus neues Stück «Mère et fils», das von Traumata aus der Vichyzeit handelt, ist auch Yves Pagès’ findige Geschichtscollage «Labo Lubbe», in der es um den Reichstagsbrandstifter Marinus van der Lubbe geht, in sich eigenartig genug, um das Interesse auch ohne das Element Vergangenheitsbewältigung zu fesseln, denn im allgemeinen französischen Erinnerungsbetrieb haben die Nazi- und die Vichyzeit gegenwärtig schwache Konjunktur.
Vor den alten Zeiten rangieren auf einmal die ganz alten Zeiten. Gespenster aus dem tiefsten neunzehnten Jahrundert dominieren den öffentlichen Diskurs. Kolonialismus, wie der Aufstand in den Banlieues und die sehr divergierenden Stellungnahmen dazu gezeigt haben, ist ein Gift mit Langzeitwirkung, was man spätestens dann bemerken musste, als die Debatte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mehr als vierzig Jahre, nachdem er seine Heimat fluchtartig verlassen hatte, kehrte Peter Turrini heim nach Kärnten. Genauer gesagt, in jenen vergleichsweise kleinen Teil Kärntens, an dem er sich nach eigenen Angaben noch heimisch fühlt: «das Quadratmeterausmaß der Bühne des Klagenfurter Stadttheaters». Hier wurde, dreieinhalb Jahre nach dem spektakulär gefloppten...
Franz Wille Herr Tränkle, welche Auswirkungen hat der Streik im Öffentlichen Dienst des Landes Baden-Württemberg auf das Staatsschauspiel Stuttgart?
Hans Tränkle Wir sind ja ein Dreispartenhaus, die Auswirkungen treffen alle gemeinsam – Oper, Schauspiel und Ballett –, weil die technischen Bereiche, die der Streik wesentlich betrifft, bei uns zentralisiert sind. In...
Die Revolution ist ein ambulanter Zustand. Sie duldet kein Sich-Einrichten. Ihre Führer sitzen am besten auf gepackten Kisten – wartend wie auf die lange Bank geschoben für einen kurzen Prozess, der ihnen gemacht wird. Wenn sich mit pathetischer Geste der rote Vorhang rafft, liegt die Bühne des Schauspielhauses Bochum im Dunkel. Die Konturen eines zu Paaren...
