Paragrafen gegen Pferdeleben
Eines muss man dem Hengst, einer tragenden Figur aus Lars-Ole Walburgs Hannoveraner Spielzeit-Eröffnungsinszenierung, lassen: Er müht sich redlich, keine der platterdings mit seinem Namen verbundenen Assoziationen auszulassen. Schon während die Zuschauer ihre Plätze einnehmen, hüpft der Rappe in einer durch und durch humanoiden Kombination aus Rocker- und Biker-Outfit in Rampennähe herum und ignoriert wacker, dass sein prolliger Charme nicht jeder Frau Sache ist.
Seine Kollegin, die Stute, dehnt derweil im Hintergrund ihre schwarz bestrumpften Zuchtfesseln, wirft die glänzende Mähne hin und her und rückt die Ledershorts zurecht.
Leider wird der Abend für die ambitionierten, bei Katja Gaudard und Sebastian Schindegger adäquat menschelnden Nutztiere tragisch enden: Nach zwei Stunden läuft das Kunstblut in Rinnsalen an ihnen herab. Die Edel-Nylons sind zerrissen, die Mähnen stumpf, und dem Hengst fehlen die Hoden.
Wutbürger Kohlhaas
Die Verantwortung für dieses Desaster trägt der «Wutbürger» Michael Kohlhaas. Als solchen outete Walburg den Protagonisten aus Kleists Erzählung jüngst in einem Interview mit der «taz». Zur Erinnerung: Beim Kleistischen Pferdehändler, der beim ...
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Theater heute November 2011
Rubrik: AUFFÜHRUNGEN, Seite 32
von Christine Wahl
Schon in der ersten Einstellung ahnt man, wohin der Hase läuft. Triumphierend tippt Jodie Foster alias Penelope Longstreet in den Rechner, dass der zehnjährige Ethan Cowen ihrem Sohn Zacharias auf einem Spielplatz in Brooklyn mit einem Stock zwei Schneidezähne ausgeschlagen hat. (Dass Zacharias und seine Bande Ethan zuvor grob zurückgewiesen haben, notiert sie...
Liebes «Theater heute»,
«Mut zur Wut!» war Deine Forderung im diesjährigen Jahrbuch. Dieser Aufforderung
möchte ich unverzüglich Folge leisten und an dieser Stelle meine Wut über die Behandlung einer von Dir leider überwiegend ausgesparten Gattung Theaterschaffender, nämlich die des arbeitslosen, pardon, freischaffenden Schauspielers frank und frei herausposaunen....
Man betritt den Theatersaal und ist verstimmt: Da hängt ein riesiger Spiegel und soll uns allen Ernstes «den Spiegel vorhalten»? Geht’s noch? Dieser Eindruck relativiert sich, wenn der riesige, das Publikum spiegelnde Spiegel plötzlich geneigt wird: Der obere Teil droht auf das Publikum zu fallen, wodurch unten auf der Bühne freier, aber enger Raum entsteht, indem...
