Ein idealer Gefährte
Und dann, als sich die Applausordnung zerstreut und die Akteure hinter die Bühne strömen, ist sie noch einmal da, diese eigentümliche schwebende Bewegung. Wie ein Eiskunstläufer gleitet er die steile Showtreppe hinauf. Gelöst beinah. Nur der Oberkörper unter seinem braunen, etwas steifen Sakko, der will so gar nicht hoch. Der beugt sich leicht vor, die Arme abgespreizt, als trügen sie zwei Erste-Hilfe-Koffer vor sich her. So geht Schweben bei Christian Friedel: tänzerisch, aber ein bisschen geduckt.
Es ist die Dernière des Singspiels «Lulu» (nach Frank Wedekind und Alban Berg), das David Marton 2009 in Hannover herausbrachte (TH 3/2009), ehe es für einige Abende mit Intendant Wilfried Schulz ans neu formierte Dresdner Staatsschauspiel wanderte. Die Reunion des alten Hannoveraner Ensembles gibt so etwas wie ein Who-is-Who der aktuellen Newcomerszene: Lilith Stangenberg (Nachwuchsschauspielerin des Jahres 2010) ist eine von drei Lulu-Verkörperungen, eine kindfrauliche, die Sängerin Jelena Kuljic (TH 12/2010) eine andere, ungleich rauchigere.
Christian Friedel fällt als Dichter-Alter-Ego Alwa in diesem Weibsbilderpanoptikum die Rolle eines stets leicht abseits stehenden prekären ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Best of … Theatertreffen, Seite 22
von Christian Rakow
Es war 1995 bei den Proben zu «Nibelungen – Born Bad». Herbert Fritsch, der den Hagen spielte, hatte sich als Kostüm ein Kettenhemdröckchen, langes Blondhaar und schwarze Strumpfhosen ausgesucht. Als besonderen Clou bestellte er in der Schlosserei für jeden Auftritt ein immer größeres Schwert, das er schließlich in voller Bühnenbreite über die Szene schleifte. Da...
Am 4. April 2011 wurde Juliano Mer Khamis, 52, vor seinem Freedom Theatre im Flüchtlingslager von Jenin von einem maskierten Täter erschossen. Der Mann sprach ihn an, Juliano ließ seine Fensterscheibe herunter und wurde mit mehreren Schüsse regelrecht hingerichtet. Auf dem Beifahrersitz befand sich sein einjähriger Sohn auf dem Schoß des Kindermädchens, das an der...
Das Lesen kann einen manchmal auf fast so dumme Gedanken bringen wie z.B. das
Spielen von «Counter Strike». Das gilt offenbar vor allem für die Lektüre von Dostojewski
und vor allem, wenn man ihn nur halb versteht. Die Wiedergänger der «Dämonen»-Helden aus Dostojewskis 900-Seiten-Roman von 1873 jedenfalls, die in Kornél Mundruczós «Zeit
der Besessenen» als «vierte...
