In der Parallelwelt des Familien-Horrors
Ihrer Zeit voraus waren die Radikal-Theater-Avantgardisten Vegard Vinge und Ida Müller ja schon immer. Aber dass sie selbst konkrete erdrutschartige (National-)Katastrophen antizipieren, darf durchaus als kleines Novum gelten: Wer Ende Mai beim internationalen Musik- und Theaterfestival im norwegischen Bergen die jüngste Vinge-Müller-Produktion «Panini-BoysRoom» besuchte, konnte schon mal in formvollendeter Trostlosigkeit den deutschen Fußball-WM-Kater vorfühlen, der dann vier Wochen später von Aachen bis Zwickau manifest werden sollte.
Wobei die realen Loser Mats Hummels, Sami Khedira, Mesut Özil & Co. trotz ihrer Staatstrauer-Mienen genau genommen noch euphorisch wirkten gegen das Spieler-Quartett, das das norwegisch-deutsche Theaterduo im hohen Norden aufmarschieren ließ.
Dort steht – gleichsam einbetoniert und wirklich von gar keines Gedankens Blässe angekränkelt – eine repräsentative Abordnung jener historisch verbrieften bundesdeutschen Nationalmannschaft an der Rampe, die 1982 das Fußball-WM-Finale gegen Italien verlor. Kongenial maskiert, lauschen namentlich ein Paul-Breitner-, ein Pierre-Littbarski-, ein Karl-Heinz-Rummenigge- und ein mutmaßlicher ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Bühne des Jahres, Seite 129
von Christine Wahl
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