Das große Metzgern

Österreich holt ein Enfant terrible heim an die Burg: Bericht von der 122. Aktion von Hermann Nitschs Orgien Mysterien Theater

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Der Nitsch ist ja der bekannteste Maler Österreichs. Aber das ist ein ganz normaler und angenehmer Mensch, sehr gescheit, gebildet und gemütlich. Sehr gemütlich!» Der ältere Herr, der dies seinen deutschen Nebenstehern voller Bürgerstolz zu Protokoll gibt, ist zwar nicht unbedingt in Orgienstimmung, aber doch sichtlich in Festtagslaune und wild entschlossen, sich diese durch nichts verderben zu lassen.

Weder durch die frostigen Temperaturen, die auf der Feststiege an der Landtmann-Seite des Burgtheaters herrschen, noch durch die anhaltende Ereignislosigkeit, die das dicht gedrängt wartende Publikum zu Beginn der 122. Aktion des Orgien Mysterien Theaters langsam in Unruhe versetzt. Seit einer halben Stunde ist nichts passiert. Der Chor der Universität Wien hat sich im oberen Stiegendrittel postiert und starrt Löcher in die Luft, nebenan warten Eimer voller Blut und Gedärme auf ihren Einsatz.

Da endlich schleppt eine Handvoll weißgekleideter Akteure einen ans Kreuz gebundenen Nackten heran und bahrt ihn in der Stiegenmitte auf. Mit vereinten Kräften wird ihm ein ausgeweidetes Schwein auf den Rumpf gewuchtet. Hilfreiche Hände reichen Kübel mit Innereien, die wiederum ins leere Tier ...

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Theater heute Januar 2006
Rubrik: Performance, Seite 32
von Eva Behrendt

Vergriffen
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