Napoleon vor Berlin
Das Verhängnis des Potsdamer Theaters nach 1945 war, dass es gar kein Theater gab. Jahrzehntelang fanden Schauspiel, Oper und Ballett in einem umfunktionierten Tanzsaal statt. Als man sich Ende der Achtziger angesichts bedrohlicher Baufälligkeit endlich zu einem Neubau aufgerafft hatte, kam die Wende dazwischen. Den halbfertigen Rohbau ließ die Stadt schließlich 1991 abreißen, gleichzeitig wurde der alte Notbehelf von der Bauaufsicht geschlossen.
Seit 1992 diente eine vorübergehende Unterkunft aus Leichtmetall, von den Einheimischen liebevoll gruselnd «Blechbüchse» genannt, als Hauptspielstätte.
Mit diesem ursprünglich auf fünf Jahre befristeten Provisorium wollte man Zeit gewinnen, um sich über Standort, Größe, Finanzierung und Funktion eines Neubaus klar zu werden. Am Ende des Millenniums schien klar, dass ein neues Gebäude keinen Orchestergraben bräuchte – Ballett, Chor und hauseigene Kapelle waren gestrichen. Doch mit jedem Tausender, der am Inhalt gespart wurde, wuchsen auch die Zweifel, ob beim Land Brandenburg und bei der Stadt überhaupt noch ein politischer Wille zum Theaterbau vorhanden war. So erschien es wie ein kleines Wunder, als der damalige Oberbürgermeister ...
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