Zwei Belgier in Bayern
Sechs Hunde, sechs Menschen, da muss man stark sein, um nicht vor der vierbeinigen Authentizitäts-Offensive auf der Bühne zu kapitulieren und als menschlicher Akteur womöglich in der Herrchen/Frauchen-Rolle steckenzubleiben. Für echte Theatertiere kann die unmittelbare Konkurrenz aber auch Ansporn sein, Instinkt und Intellekt mit animalischer Selbstverständlichkeit zu bündeln, so zu sehen im vergangenen Herbst zu Beginn von Johan Simons’ Intendanz an den Münchner Kammerspielen.
Autonome Unterwanderung
In der tierisch traurigen Hundemenschen-Groteske, von Alvis Hermanis sehr frei nach Jack Londons Schlittenhund-Roman «Der Ruf der Wildnis» arrangiert, gab es nicht nur Naturtalente aus der Zamperl-Fraktion, sondern vor allem zwei neue Gesichter im ansonsten fast vollständig von Frank Baumbauer übernommenen Ensemble zu entdecken. Benny Claessens und Kristof Van Boven, beide 1981 in Belgien geboren und von Simons nach München geholt, sprechen perfekt Deutsch, und es ist auch keineswegs der sympathische Hauch eines kehligen Akzents, der einen aufhorchen lässt. Vielmehr hat man ein bisschen das Gefühl, als würde ein etabliertes Kulturinstitut wie die Kammerspiele von zwei Autonomen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2011
Rubrik: Akteure, Seite 38
von Silvia Stammen
In England heißt alles, was mit Theater unterwegs zu tun hat, Touring. Auf der Insel gehört Touring allgemein zum guten Ton. Und wie so vieles in Englands Theater fängt auch das ordentliche Touringgeschäft zu Shakespeares Zeiten an: 1559 ordnete Elisabeth I. an, dass alle bis dahin informellen Theatergruppen, die durchs Land streunten, Lizenzen brauchten. Neue...
Ein bisschen fühlt man sich an den Film «The Truman Show» erinnert, wenn man mit seinen Kopfhörern die Konferenzhalle betritt und plötzlich auf Kanal 8 des «Radios der Untoten» letzte Regieanweisungen vor der Performance hört: «Zuschauer sind drin, Licht aus und Start». Denn vor die lebenden Toten und die Übergänge zwischen Leben und Tod haben die Macher des...
Sage mir, wo du wohnst, und ich sage dir, wer du bist. Anno 1959 ist das in etwa das Motto der rechtschaffenen Einwohner von Clybourne Park, einem schmucken Stadtviertel von Chi-
cago, das ausschließlich von Weißen bewohnt wird. Kaum zu glauben, dass Russ und Bev
ausgerechnet von hier wegziehen wollen. Doch wen die Ferne der Vororte ruft, den muss
man ziehen lassen....
