Gefährdete Egos
Die hohe unnatürliche Sterberate unter Shakespeares englischen Renaissance-Königen ist historisch schnell erklärt. Sie waren notorisch wackelige Machthaber, die sich jenseits der eigenen Ritterschar weder auf ein großes stehendes Heer noch auf nennenswerte Polizeitruppen oder eine entwickelte Bürokratie stützen konnten. Eine kleine Verschwörung untreuer Lords, ein aus dem Ruder gelaufener Aufstand oder ein kleines Attentat mit Gift oder Dolch – schon wurden die Karten unter den mächtigen Lokalfürsten neu gemischt.
Hinzu kamen die Systemfehler erblicher Monarchien, die von politischen Ehen und möglichst männlichen Thronfolgern abhängen, was schnell zu dynastischen Komplikationen führen kann. Gott war zu dieser Zeit zwar noch nicht tot, aber zumindest in Fürstenkreisen längst zum politischen Vorwand geworden. Alles in allem lässt sich an Shakespeare schön beobachten, wie ein weitgehend moralfreies politisches System, das auf Ehrgeiz, Gewalt und der Macht des Stärkeren baut, wie so ein pausbäckiger Darwinismus Stück für Stück an sich selbst zugrunde geht. Schon aus diesen Gründen war König in England eine nachhaltig ungesunde Existenzform.
Das erklärt aber nur zum Teil die Probleme ...
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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille
Es war sein erfolgreichstes Drama und sein größter Misserfolg zugleich: «Die schmutzigen Hände», Jean-Paul Sartres Stück über einen politischen Auftragsmord, hat sich am Abend der Uraufführung 1948 in Paris verselbständigt – und alle Versuche des Autors, es wieder einzufangen, zeigten sich wenig effektiv. Publikum und Kritik feierten das Stück als...
Franz Wille Als ich Claudia Nola, die Leiterin der Presseabteilung am Gorki Theater, nach einem Gesprächstermin mit Ihnen gebeten habe, meinte sie, ja, kein Problem, aber nur mit Armin Petras.
Armin Petras Klar, Gespräch jederzeit gerne. Aber hier sitzt nicht Fritz Kater, sondern Armin Petras.
FW Stehen Sie mit Fritz Kater in engerem Kontakt?
Petras Ja, doch.
FW...
Es geschieht nichts Aggressives, keine Gewalt, kein Blut, kein Sex, es ist nicht einmal besonders laut, und doch verlassen in dieser Szene immer wieder Zuschauer den Saal, weil sie es einfach nicht aushalten: Ein Mensch zählt, nichts weiter, aber das genügt. Es mag ein wenig verrückt klingen, aber diese Minuten in den Münchner Kammerspielen, in denen der leicht...
