Der doppelte Beckmann
Borchert, unplugged – das hätte man sich so vorzustellen: 50 Seiten Text voller Pathos, voller Redundanz, 16 Rollen, u.a. der liebe Gott, der Tod und die Elbe, das Ganze gipfelnd im Aufschrei: «Gibt mir denn keiner, keiner Antwort???»
«Draußen vor der Tür» ist eine invertierte Odyssee, der späte Kriegsheimkehrer erscheint nicht als kraftstrotzender Bogenschütze, der die Freier seiner Frau wegputzt, sondern als Jammergestalt mit Gasmaskenbrille, die sogar noch andächtig das Licht ausknipst, als sie sieht, dass das heimische Ehebett inzwischen anderweitig belegt ist.
«Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will»: Mit dieser koketten Zeile lag der todkranke Autor daneben. «Draußen vor der Tür» wurde eines der erfolgreichsten Stücke der Nachkriegszeit; erst seit den Sechzigern verschwand es langsam von den Spielplänen. Und auch hier gab es Ausnahmen: namentlich Andreas Kriegenburgs Wiederentdeckung 1997 am Residenztheater München oder Luk Percevals aktuelle Inszenierung am Hamburger Thalia Theater.
Eine brillante Idee hat nun auch David Bösch am Bochumer Schauspielhaus. Er hat die im Grunde monologische Struktur des Textes erkannt und macht daraus, mehr oder ...
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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Bochum Schauspielhaus, Seite 55
von Martin Krumbholz
«Faserland», Christian Krachts einst so aktuelles Zeitbild der neunziger Jahre hat inzwischen selber Patina angesetzt. Vieles von dem, was Kracht beschreibt, liest sich heute wie eine Geschichte aus einer anderen Zeit, in der nach dem Ende des Kalten Krieges in den Feuilletons vorschnell vom «Ende der Geschichte» gesprochen wurde und der 11. Septem– ber samt «Krieg...
Die Schnellsprechhysterie hat etwas nachgelassen und auch der Punch beim Austeilen theoretischer Tiefschläge wirkt ein wenig gebremst. Bei seinem jüngsten Zwischenstopp an den Münchner Kammerspielen zeigt René Pollesch, der seit fast 15 Jahren Schauspieler und Zuschauer mit seinen diskursgesättigten Denkströmen in Atem hält, keinerlei Ermüdungs–erscheinungen, aber...
Aachen, Theater
1. Kleist, Der zerbrochne Krug
R. Markus Kopf
Aalen, Theater der Stadt
15. Erpulat/Hillje, Verrücktes Blut
R. Marguerite Windblut
16. Jarry, König Ubu
R. Nikolaos Boitsos
Anklam, Vorpommersche Landesbühne
30. Bordel, Vineta – die Hexenwetter
R. Wolfgang Bordel (in Zinnowitz)
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
30. O’Brien, The Rocky Horror Show
R. Ingolf...
