Auf verlorenen Posten
Der freundliche Mann im Hawaiihemd, der mit hochgeschobener Sonnenbrille und Haifischzahnkette auf die von flotten US-Army-Musikern flankierte Varietébühne tritt, hebt mit säuselnder Stimme zu reden an. Ein eigentümliches Soundgemisch ergießt sich ins Publikum: einerseits Kuttners vertraut atemloses Berlinpalaver, andererseits sanft manipulativer Therapeutensprech, der in der US-Psychiatrie der 50er Jahre wurzelt: Palo-Alto-Gruppe, systemische Therapie. Von dort, behaupten Verschwörungstheoretiker gerne, führten Drähte zur CIA und noch heute nach Silicon Valley.
«Eisler on the Beach», die jüngste Inszenierung des Regieteams Tom Kühnel und Jürgen Kuttner in den DT Kammerspielen, nennt sich im Untertitel «Eine kommunistische Familienaufstellung». Ein hübsches, treffendes Paradox. Denn tatsächlich war der Kalte Krieg, den die jüdischen Geschwister Eisler insbesondere in den vierziger Jahren in Amerika ausfochten, wohl nicht nur ein welthistorischer, sondern auch schlicht ein innerfamiliärer: Die ältere Schwester Ruth Fischer, die in den zwanziger Jahren noch Stalin von links (!) bekämpft hatte, denunzierte ihre jüngeren Brüder, den späteren DDR-Rundfunkchef Gerhart und den ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Eva Behrendt
Vor einigen Wochen habe ich auf Bitte der «Süddeutschen Zeitung» eine Prognose über vermutliche Veränderungen in der künftigen polnischen Kulturpolitik abgegeben. Der Artikel erschien am 3. November. Bereits am 15. November hat der neue Kulturminister Piotr Glinski ein Programm verkündet, das durch viel schärfere Maßnahmen gekennzeichnet ist, als ich mir...
Der erste Tag in einer neuen Firma ist immer schwierig. Man weiß nicht, wem man vertrauen kann, man hat die firmeninternen Hierarchien noch nicht verinnerlicht, man fürchtet, in Intrigennetzwerke einzubrechen. Also stolpert man verunsichert durch den Arbeitstag, ständig in Angst, etwas falsch zu machen. Der erste Tag in der Hamburger Filiale von Söhne & Söhne...
Aufführungen
Auf die Sitzwürste im neuen rauen Asphaltambiente der Berliner Volksbühne lädt Frank Castorf im Januar zu Hebbels mörderischer «Judith». Vordergründig zivilisierter geht es
vermutlich am Deutschen Theater zu, wenn Karin Henkel mit Eugène Labiches «Die Affäre Rue de Lourcine» hinter die Fassade des Bürgertums blickt. Am Gorki Theater hat sich
Hakan...
