Der dritte Streich
Sie sind ganz offenbar ein gutes Gespann: Dramatiker Stephens und Regisseur Nübling. Ihr interkulturelles Patchworktheater «Three Kingdoms» wurde letztes Jahr von Theaterkritikerinnen und Theaterkritikern dieser Zeitschrift zum besten fremdsprachigen Stück gekürt. In «Three Kingdoms» jagen bekanntlich estnische, englische und deutsche Schauspieler in einer Dreiländer-Krimihandlung durch europäische Endzeitstimmungen. Noch um einiges aufwühlender sind Simon Stephens’ Stücke, die Sebastian Nübling in lockerer Folge am jungen theater basel inszeniert.
Nach «Reiher» (2003) und «Punk Rock» (2010) folgte nun die deutschsprachige Erstaufführung von «Morning». Alle diese Theatertexte erforschen den reichlich zerklüfteten Planeten Jugend. Mit «Morning» wächst sich die lockere Reihe zur Trilogie aus – und der dritte Streich ist ein echter Höhepunkt.
Wilde Wut
Über neunzig Minuten lang schlägt da eine junge Frau in wilder Wut um sich. Und nach neunzig Minuten ist kein gutes Ende in Sicht. Protagonistin Stephanie kämpft gegen viele Gegner: Ihre beste Freundin Cat verlässt die Stadt, der kleine Bruder nervt, ihr Freund Stephen ist ein Langweiler, ihr Kumpel Jacob hat bloß noch Augen für seine ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Neue Stücke, Seite 19
von Ellinor Landmann
Und plötzlich ist da eine, die leuchtet. Ein Stern. Kein Star, aber ein Stern. Ein Star hat diese Aura einer irgendwie absonderlichen Besonderheit, einen Tick, einen Spleen, eine Masche, die ihn sofort wiedererkennbar macht, ein Markenzeichen oder auch nur eine Marketing-Strategie. Ein Stern ist lauter. Nicht lauter im Sinn von mehr als laut, obwohl auch er sich...
«Was im nächsten Moment sein könnte, will man ja nicht wirklich wissen, außer vielleicht es handelt sich um die Lottozahlen.» Das weiß auch Philipp Löhle, dessen neues Stück «Nullen und Einsen» er selbst dann noch mit komischen Geschichten spickt, wenn er sich so einem herben Thema wie der stochastischen Unwägbarkeit des Künftigen widmet.
«Nullen und Einsen» ist...
Alles ist verzerrt. Eine Landschaft aus Sitzmöbeln auf weißem Teppich füllt das Braunschweiger Kleine Haus über den gesamten Zuschauerraum bis an die ebenfalls mit weißem Stoff bespannten Wände der Bühne aus. Dazwischen eine einzige Wohnzimmerlampe, ein Flügel und überall Zuschauer, die schon vor Beginn der Show von Tochter Isabelle (Ursula Hobmair) zum Eintreten...
