«London ist eine gewaltbereite Stadt»

Ein Gespräch mit dem ausländischen Autor des Jahres Dennis Kelly über England vor und nach der Finanzkrise, die Desillusionierung seiner Generation und wie gut es ist, wenn man sein eigenes Stück nicht vollständig versteht

Theater heute - Logo

Patricia Benecke Dennis Kelly, wie würden Sie ge­genwärtig den Blick der Briten auf ihre Politiker beschreiben?

 

Dennis Kelly Seit dem Antritt von New Labour ist so viel passiert, dass ich guten Gewissens sagen kann: Im Moment sind wir absolut desillusioniert. Insgesamt muss man wohl ein kleines bisschen weiter zurückblicken. Die Probleme, die Maggie Thatcher England gebracht hat, kann man gar nicht unterschätzen, aber wir waren auch vor ihr in der Klemme.

Es gab eine Zeit, da wurde die Drei-Tage-Woche propagiert, es gab re­gelmäßig Stromausfälle, ich weiß noch, ich fand das als Kind sehr aufregend. Die Gewerkschaften schienen allmächtig, und die damalige Labourregierung hatte nicht genug Kraft, sie so zu zügeln, dass das Land funktionierte. England bat damals die Weltbank um einen Kredit, so stand es! Dann zerschlug Maggie gnadenlos alles, was den freien Markt behindern könnte. 

 

PB Extreme politische Zustände und Reaktionen scheinen der Insel zu liegen ...

 

Kelly Als Tony Blair dann die Wahl gewann, schwappte eine große Hoffnungswelle übers Land, man wollte ihm glauben und vertrauen. Unvergessen sein Unschuldssatz, als der erste kleine Skandal wegen fragwürdiger ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen
Weitere Beiträge
Gesprochen und beglaubigt

Ich habe einen Preis bekommen für ein Stück, das zu einem großen Teil aus Reden besteht. Das müßte man nicht eigens betonen, aber es gibt ja auch Stücke, in denen keiner spricht. Boten berichten von etwas, von dem man nicht sprechen kann (im Unterschied zu Stücken, in denen man nicht unbedingt sprechen muß, aber darf) und von dem sie noch dazu ein Teil sind. Sie...

Entschieden selbstbestimmt

Alles falsch». So steht es in großen farbigen Lettern auf einem Plakat in dem sparsam eingerichteten Café «kwadrat» im Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort, das Kathleen Morgeneyer für unser Treffen vorgeschlagen hat. Teil der Inszenierung? Sollte Stanislawski das hier aufgehängt haben, oder Strasberg oder ein anderer gestrenger Kunsterzieher? Ist die karge Bühne für...

Heimatpanzer

Das neue Stück des 27-jährigen Dirk Laucke handelt von Grenzen, von der DDR, von Deutschland 20 Jahre nach der friedlichen Revolution und von der Festung Europa. Es erzählt von illegalen Chinesen, tschechischen Huren und Heimatlosigkeit. Und vom Panzerfahren. Dirk Laucke schlug daher eine gemeinsame Fahrt in einem BMP Schützenpanzer vor, als im Juni 2009 eine...