Wie geht Charme?
Lieber Otto, der Beweis Deines ewigen Daseins ist, dass Du jetzt da bist. Daher tut es mir umso mehr leid, dass ich wegen einer Magenlappalie bei Deiner Trauerfeier abwesend bleibe. Wie gern hätte ich allen Dich verehrenden und liebenden Menschen zugehört und Dir dabei zugeschaut in Deiner – Du wirst es womöglich noch als Geschenk erleben – großen Ruhe.
Ich glaube, die Toten leben lang, und einem Rationalisten würde ich erwidern, wir denken mehr an sie – die Toten –, als wenn sie noch lebten: So erscheinst Du jetzt mehr, als Du je erschienen bist.
Otto, das will was heißen!
Ich hatte das Glück, mit Dir vier Mal zu arbeiten, darunter eine Uraufführung und eine Zweitaufführung von Botho Strauß: «Kalldewey Farce» und «Schlußchor». Ich glaube, bei beiden Stücken hat der Dichter an Dich gedacht – und zu Recht.
Bei «Kalldewey Farce», der ersten Komödie des Zerfalls einer selbstgefälligen Gesellschaft der Siebzigerjahre, überlegtest Du Dir, wie Buster Keaton gewesen wäre, hätte er gesprochen.
Da konntest Du so wunderbar komisch das Opfer dreier Frauen spielen, das kurz vor Stückende noch in die Waschmaschine kommt.
Bei «Schlußchor», dem großen Stück zur Wiedervereinigung Deutschlands, ...
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Theater heute November 2013
Rubrik: Abschiede, Seite 42
von Luc Bondy
Nachdem in Schreibmaschinenschrift die Basis-Informationen zu diesem Aktenzeichen XY …ungelöst auf den eisernen Vorhang getippt worden sind, öffnet sich die Schleuse und gibt Einblick in ein verschollenes Archiv. Ein gigantischer Aktenschrank mit einer unendlichen Zahl von Schubladen reicht bis zur Bühnendecke und darüber hinaus. Gras und Schmutz fällt von oben...
Das ehemalige Kolosseum-Kino in der Nußdorfer Straße ist heute ein Supermarkt. Beinahe wäre ein Theater daraus geworden. Als die Stadt Wien 1976 eine neue Spielstätte für Hans Gratzers Theatergruppe Werkstatt suchte, war das Kolosseum Gratzers Favorit. Die Wahl fiel schließlich auf einen anderen, kleineren Kinosaal: Im damals gerade geschlossenen Heimatkino in der...
Als Regisseur verkörperte er die seltene Dreieinigkeit: Schauspiel, Oper und Film, und er war liebend gern auch Schauspieler. Er erlaubte sich – mit angelsächsischer Unbefangenheit und preußischer Disziplin –, einfach Künstler zu sein.
Er begann, noch als Wunderkind, zu inszenieren, mit 15 am Pariser Elite-Gymnasium Louis Le Grand. Mit 22 leitete er ein eigenes...
