Die 68er sind schuld
Die selbsternannten Freiheitskämpfer auf spanischen Plätzen oder am Stuttgarter Hauptbahnhof, nicht mehr zufriedenzustellen durch den Gang der Dinge unter den Bedingungen repräsentativer Demokratie, tragen dazu bei, dass Juli Zehs Revolten- und Aufruhr-Fantasie um das «Corpus Delicti» nicht mehr ganz so weit hergeholt wirkt wie bei der Uraufführung 2009.
Vielleicht standen damals auf den Flughäfen auch einfach noch nicht gar so viele Raucherkäfige herum, angesichts derer der Zeitgenosse heute die Sorge nicht los wird, dass diese Glas-Knäste für unbelehrbare Quarzer eines Tages von außen abgeschlossen und mitsamt der Insassen in irgendeiner Wüste endgelagert werden könnten … so etwa jedenfalls mag sich auch Juli Zeh den staatlichen Gesundheitsterror vorgestellt haben, der im Zentrum ihrer finstren Polit-Phantasie von übermorgen steht.
2057 herrscht in Zehs Staat «die Methode»; eine Art Grundgesetz, das Pflege und Erhaltung von Körper und Gesundheit zum Maß aller gesellschaftlichen Dinge erklärt. Deshalb trägt auch jeder einen Speicherchip in der Schulter, da, wo früher immer die Impf-Spritzen angesetzt wurden; was der so speichert, landet umgehend beim Methoden-, sprich: Verfassungs- ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Chronik, Seite 73
von Michael Laages
Als wir im Sommer 1968 in unserem vollbepackten Citroën ID 19 über die Autobahn von Frankfurt nach Heidelberg fuhren, war ein stiller Jubel in Elisabeth und mir. «Jetzt fahren wir endlich zu uns», sagte Elisabeth lächelnd. Das Kind lag schlafend auf dem Rücksitz des Wagens, den wir für vierhundert Mark erstanden hatten, weswegen es auch eine seiner letzten Fahrten...
Ein Hauch von Melancholie lag über diesen Wiener Festwochen. Kurz vor Beginn des Festivals hatte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny die neuen Intendanten vorgestellt (siehe TH 6/11), und obwohl Markus Hinterhäuser und Shermin Langhoff erst 2014 für das Programm verantwortlich sein werden, war der aktuelle Jahrgang damit zum ersten Akt eines langen Abschieds...
Juni 2010, «Der nackte Wahnsinn» von Michael Frayn, Premiere. Zweiter Akt, das Publikum sitzt auf der Bühne und blickt – immer dann, wenn die Türen in diesem Türenstück sich öffnen – von hinten durch die Bühne auf der Bühne in den leeren Zuschauerraum. Da sitzt ganz allein, als einzige Zuschauerin des Stücks im Stück, die Intendantin und Regisseurin des Abends. Die...
