Unter Mackern
Um die Droge auf ihren Reinheitsgehalt zu prüfen, ist eine Anfrage beim Nüchternsten geraten: beim Erzähltheoretiker des Realismus, Friedrich Spielhagen. Der setzte ab etwa 1860 in lebenslangem Kampf auseinander, wie ästhetisch peinlich es ist, wenn sich Erzähler erläuternd ins dargebotene Geschehen einmischen. Wer etwa sage «Hier sehen wir unseren Helden», gebe sich praktisch schon von Vornherein verloren, denn ob eine Figur als Held angelegt ist, werde sich ja ohnehin im Handlungsverlauf erweisen. Ein Geschehen, das nicht aus sich heraus symbolisch werde, brauche die Kunst nicht.
Womit Spielhagen freilich nur die halbe Wahrheit verfocht. Selbstredend ist der Glaube an die Evidenz eines Geschehens in der Moderne merklich geschwunden (nicht umsonst wetterte Spielhagen ja). Die Literatur seit der Industrialisierung ist voll von erzählerischen
Eskapaden, von Digressionen und Selbstreflexionen. Armin Petras hat unter dem Pseudonym Fritz Kater in seinen Stücken selbst überzeugend die Möglichkeiten einer emanzipierten Erzählerstimme vorgeführt. Aber bitte – hier liegt der Maßstab: Es muss denn auch eine solch eigenmächtige Erzählstimme sein. Alles, was bloß der Selbstkommentierung von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2011
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Christian Rakow
Wer «Türkei» sagt, denkt inzwischen zwangsläufig an den Mitbürger mit Migrationshintergrund. Das war auch jetzt so, da der Heidelberger Stückemarkt nicht nur das bislang spannendste Gastland vorstellen, sondern begleitend dazu auch auf eine große Zahl deutscher Produktionen aus deutschen Landen zurückgreifen konnte, die sich dem Thema «Integration» widmen. Das...
Amsterdam 1972. Gerade erst wurde die Pille erfunden und der Mond bereist, junge Menschen sind im Schlamm von Woodstock zu Jimi-Hendrix-Klängen übereinander
hergefallen, und kein Mensch wundert sich ernsthaft darüber, dass Lea nun schon zum dritten Mal heiratet. Auch nicht darüber, dass ihre Exmänner Alexander und David ebenso zur Hochzeit eingeladen sind wie...
Oberösterreich wird leicht unterschätzt. Die landschaftlich angenehm unspektakuläre Gegend windet sich wald- und wiesenreich zwischen Donau und Alpen. Die Ortschaften sortieren sich um Kirche und Wirtshaus, dazwischen ein paar Neubaugebiete, und beides zwingt eher zu gemäßigtem Tempo. Kaum ist man aus der einen Ortschaft draußen und hat gerade hochgeschaltet,...
