Hochtiefbau im Revier
Am Gipfel blendet ein Licht, nicht unbedingt das Licht der Aufklärung, vielleicht sogar ein Irrlicht und flackernder Augentrug. Die seit diesem Jahr von Jürgen Flimm geleitete RuhrTriennale beleuchtet das Doppelgesicht der Romantik: Ratio und Irrationalität, industrieller Fortschritt und Sehnsucht nach dem Vergangenen, Settembrinis Zukunftseuphorie und Naphtas Obskurantismus.
Auch einige Produktionen folgten diesen Antagonismen: «Nächte unter Tage» und «Steine und Herzen» schwanken zwischen Höhe und Tiefe, Dunkel und Helligkeit und sind – wie Gerard Mortiers «Kreationen» im ersten Zyklus des NRW-Landesfestivals – keinem Genre eindeutig zuzuordnen. Für Andrea Breths «Szenische Installation» wird das Publikum die 140 Meter lange Bandbrücke vom Wiegeturm hoch zu dem von Scheinwerfern grell illuminierten Kopf der Mischanlage der Essener Kokerei Zollverein im Lorewagen befördert, bevor es zu Fuß an den Abstieg geht. Sven-Eric Bechtolf wiederum stellt seinem «Singspiel» in der Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg-Nord ein Wort von Novalis voran: «Wir sind im Begriff zu erwachen, wenn wir träumen, dass wir träumen.» Das Motto für «Steine und Herzen» wäre auch für Breths Abend auf dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was gibt es Schöneres, als am Vorabend der neuen Saison in den Spielplanheften zu blättern und all die aufwühlenden, inhaltsreifen, gedankenschweren Sätze auf sich wirken zu lassen? So ein Spielplan aus Shakespeare und Schiller, Goethe und Kleist, Horváth und Büchner, Gegenwartsdramatik und Deutscher Erstaufführung will ja nicht nur vor Ensemble und Publikum...
Als Anfang Juni aus Meiningen die Nachricht kam, der Vertrag des Intendanten Res Bosshart werde nicht nur im Jahr 2007 nicht verlängert, sondern der Theaterchef müsse sogar vorzeitig und zwar bitte sofort gehen, war eigentlich niemand so richtig überrascht. Meiningen und Bosshart: Das war seit Beginn der «Zusammenarbeit» in der Spielzeit 2002/03 eine ungute...
Was macht man als neu angetretene Theaterleiterin mit einem Foyer, das eigentlich überhaupt keines ist und auch niemals eins werden wird, da es nicht zu diesem Zweck gebaut wurde? Das «Juta», einer der beiden Spielorte des FFT (Forum Freies Theater), besitzt die zugige Anmut öffentlicher Amtsstuben und großräumiger Wartehallen. Bescheiden fügt es sich in die zweite...
