Dicke Kette, dicke Hose
Schon nach ein paar Minuten rinnt der Schweiß. Auf weißer und schwarzer Haut. Eben noch hat sich Franck Edmond Yao auf dem Boden gewunden, denn auf ihm thronte Hauke Heumann. Nun ist es umgekehrt: Platt liegt der weiße Doppelkinnträger auf dem Bauch und keucht unter dem muskulösen Schwarzen, der lässig in den Knien wippt: «Ich lass doch das Problem nicht dominieren!»
Nein, «der leidende Afrikaner», der Migrant als Opfer ist in der Kammer des Aachener Theaters nicht zu sehen.
Jeder hat die Nachrichten-Bilder im Kopf: Flüchtlinge krallen sich in den Grenzzaun der spanischen Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla oder treiben im Mittelmeer vor Lampedusa. Doch Monika Gintersdorfers Migrations-Projekt entwirft andere Bilder – zwischen Tanz und Kabarett, Performance und Lecture wird das eigentlich kopflastige, komplexe Thema durch kraftvoll-körperliches Spiel gleichzeitig geerdet und in die Luft gejagt: Tanz den Diskurs!
Mittlerweile hat sich Gintersdorfer in Freier Szene und Stadttheater etabliert und ihre Methode mit deutsch-ivorischem Team zur Serienreife gebracht. Vor fast zehn Jahren hatte sie in Aachen eines ihrer ersten interkulturellen Projekte entwickelt. Mit «Partir à ...
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Theater heute Juli 2014
Rubrik: Chronik: Aachen, Stadttheater, Seite 50
von Jenny Schmetz
Zu «Nora» gehört nicht nur das berühmteste Türschlagen der Theatergeschichte, der Bums am Ende, es gehört auch einer der niedlichsten Ausstattungsgegenstände zu Ibsens Stück. Es ist die Hausherrin selbst, das süße Singvögelchen, die Puppenheimbewohnerin. Für die Tür hat der Bühnenbildner Olaf Altmann in Frankfurt eine geniale Lösung gefunden: Im Hintergrund findet...
Buenos Aires, in einem Opernfoyer vor der Aufführung von «La Traviata»: Ein junger Mann bricht zusammen, ein Arzt leistet Erste Hilfe und stellt die Diagnose «chronische Unterernährung». Unter den Umstehenden entzündet sich eine Diskussion darüber, ob man den Wert der Eintrittskarte für diesen Nicht-Privilegierten spenden sollte und über mangelnde Solidarität...
Am Anfang steht die Katastrophe. Oder zumindest die imaginierte Katastrophe, das «Was wäre, wenn» eines zukünftigen Szenarios, in dem plötzlich alles anders ist und wir aus unserem Alltag und unserem gewohnten Verhalten herausgerissen werden. Stellen wir uns also die Katastrophe vor und wie wir uns verhalten würden, wo wir hingehen würden, wohin wir flüchten...
