Elternlose neue Freiheit
Deutschland im Endspiel. Alle vier Jahre wieder. Und die Stadt stürzt sich in den sommerlichen Fußballrausch und vergisst für kurze Zeit die von Kriegen zerrissene Welt jenseits der eigenen Mauern. Alle vier Jahre wieder. Aber nicht alle können oder wollen sich mitreißen lassen. Udi, Roy, Serösha, Ulyana, Joanna und Üzüm kreiseln in den nächtlichen Strudeln ihrer privaten Verstrickungen. Alle sind sie Menschen der großen Stadt. Das, was man ihre Identitäten nennen könnte, ist vielfältig und widersprüchlich, gewachsen und gebrochen und dann wild weiter gewuchert.
Aber alle sind sie auf der Suche nach dem Hafen, der endlich die Erlösung des Angekommenseins verheißt. Eine Liebe, ein Haus, ein Kind.
Udi («der Israeli») und Roy («der Araber») sind ein Paar und träumen wie die halbe Welt von einer Eigentumswohnung in dieser Stadt. Dafür ziehen sie in durchgefeierten Nächten die Touristen in den schwulen Bars ab und sparen eisern. Doch nun will Roy raus aus allem, aus dem Projekt und der Beziehung. Üzüm («die neue Deutsche»), die mit Joanna wohnt, träumt vom Sieg im Finale und von einem Kind. Üzüms Freundin Ulyana («die Ukrainerin») will aber zurück in das Land, aus dem sie kam und das ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 189
von Jens Hillje
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