Amokläufer der guten Tat
Das Thema des Stückes ist nicht Asyl, obwohl ein Asylant darin vorkommt und die Autorin Anne Habermehl darüber viel recherchiert und gearbeitet hat. Das Thema des Stückes ist auch nicht – zumindest nicht in erster Linie – der Kampf der Kulturen, der Zusammenprall von Erster und Dritter Welt, obwohl genau das passiert und ein algerischer Wirtschaftsflüchtling auf Fuerteventura, halb ertrunken, den Fluten entsteigt und dort auf zwei sonnenbadende All-Inclusive-Touristen aus Stuttgart trifft.
Das dramatische Thema, der persönliche Nerv dieses Stückes ist die Suche von Moritz, Sohn einer Stuttgarter Einwohnermelde-Beamtin und ihres getrennt lebenden Mannes Gerard, Journalist seines Zeichens mit Karriereort Frankfurt.
Moritz, 16, vom Vater verlassen und mit seiner Mutter auf einmal wie verheiratet, sucht nach einer Mission, nach einer Aufgabe außerhalb von Schule, Schwoof und Partytime – obwohl er das selber nie so sagen würde. Er findet sie nicht, sie begegnet ihm, dort, wo er am wenigsten damit gerechnet hat: auf Fuerteventura, am Strand eines All-Inclusive-Hotels. Mehdi wird angespült, mit Schwimmflügeln um Arme und Beine, Salzwasser in der Lunge. Moritz ist kein Gutmensch, aber er ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 160
von John von Düffel
Dea Lohers Stücke erzählen von Schuld und Verantwortung, von Verrat, persönlichem Versagen und überpersönlichem Unglück, von Verantwortung und dass man ihr nicht gerecht werden kann. Und doch kommt mir fast immer, wenn ich Dea sehe, der leichtfüßige Beginn einer Geschichte von Katherine Mansfield in den Sinn: «Was soll man auch tun, wenn man dreißig ist und beim...
Im Jahr 1968 war von «68» noch lange nicht die Rede. Solche historischen Großetiketten für Brüche und Epochen entstehen immer erst hinterher – dafür halten sie sich, einmal in der Welt, umso hartnäckiger. 40 Jahre später, nachdem 68 viele Siege errungen hat und viele Tode gestorben ist, nachdem es ausführlich gefeiert und leidenschaftlich verdammt wurde, lässt...
«Ich liebe Dich nicht mehr.» Der Satz, der alles ändert, alles zu beenden scheint. Drei Frauen, drei Generationen, ein Schicksal: Sophie (25), Nelly (35) und Simone (50) ringen um ihre Identität. Sie sind verlassen worden. Jetzt stehen sie vor sich selbst und voreinander und wissen nicht weiter. In neunundzwanzig Szenen und einem Prolog reden sie miteinander,...
