«Wo ist die Störung?»
Im Chor liegt der Ursprung des antiken Theaters. Erst trat ein Protagonist heraus, dann der zweite. Doch es dauerte nicht lange, dann war der dramatische Konflikt erfunden. Er hat in den folgenden zweieinhalb Jahrtausenden große Karriere gemacht, denn spätestens seit Renaissance und Aufklärung handelt der Mensch gerne auf sich allein gestellt. Aber der Chor war nicht totzuschweigen. Seit Beginn des letzten Jahrhunderts hat er sich immer wieder kraftvoll auf der Bühne zurückgemeldet.
Max Reinhardt, Gustav Rudolf Sellner, Peter Stein, Ariane Mnouchkine, Einar Schleef und zuletzt Volker Lösch haben jeweils eigene, zum Teil sehr unterschiedliche Chor-Ausprägungen für ihr Theater entwickelt. Auf den folgenden Seiten erzählt der Schleef-erfahrene Bernd Freytag, der zuletzt viele Chöre mit Volker Lösch einstudiert hat, von der Arbeit und seinen Erfahrungen.
Theater heute Bernd Freytag, Sie studieren mit Volker Lösch die Bürger-Chöre ein, in Dresden, in Stuttgart und zuletzt in Hamburg für die Bearbeitung von Peter Weiss’ «Marat/Sade» am Deutschen Schauspielhaus, in der ein Hartz-IV-Chor unter anderem eine Liste der reichsten Hamburger vorträgt. Angefangen mit der Chorarbeit haben Sie ...
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Was für ein Projekt! Eigentlich wäre es bereits ein wahnwitziges Unterfangen, zwei Filme und einen Roman von Pier Paolo Pasolini als Theaterabende zu inszenieren. Aber diese Herausforderung reicht dem italienischen Regisseur Nanni Garella keineswegs. Er arbeitet mit einem Schauspielerensemble von professionellen Darstellern und psychisch Kranken. Also unter extrem...
Früher war alles ganz anders». Früher gab es Fußball, Küsse von Mädchen, Apfelbäume. Mittlerweile «ist der Wurm drin», ein Cyberworm vermutlich. In «Hikikomori» frisst er sich in Lichtgeschwindigkeit durch die verwanzten Matratzen, die klapperigen Computertastaturen, durch das fiebrige Hirn des Eingekapselten H., mitten ins Herz dieser ultimativen Slacker-Show...
Nun also San Pancrazio statt Turin. Peter Steins mit Spannung erwartete, im April plötzlich gekippte, millionenschwere Prestigeproduktion des renommierten Teatro Stabile di Torino auf vier Abende für jeweils 96 Zuschauer gestutzt. Die bösen Geister des vorrevolutionären Russland auf der Probebühne eines Landes, in dem die Politik seit langem nur noch Farce ist. Die...
