Barbaren in Zivil
Am spannendsten ist das Theater, wenn Text und Bild nicht zusammen zu passen scheinen. Was, zum Beispiel, hat es zu bedeuten, wenn in einer durch und durch sauberen Stadt wie Salzburg an jeder Ecke Plakate kleben, auf denen «Wir, die Barbaren» geschrieben steht? Noch verwirrender wird’s, wenn man das Kleingedruckte liest: Die Plakate werben für das Schauspielprogramm der Salzburger Festspiele.
Wer ist mit «wir» gemeint? Die wilden Schauspieler und Regisseure, die im Sommer in die Stadt einfallen? Die mörderischen Figuren, die sie auf der Bühne darstellen? Oder etwa doch wir Zuschauer? Wer sind die Barbaren?
Der nach dem vorzeitigen Abgang von Jürgen Flimm für zwei Jahre zum Schauspiel-Leiter der Salzburger Festspiele berufene Martin Kusej ist an die Programmierung des Festivals wie an eine seiner Inszenierungen herangegangen: mit Konzept. Er stellte nicht nur das vermutlich umfangreichste Schauspielprogramm der Festspielgeschichte zusammen – nicht weniger als neunzehn verschiedene Veranstaltungen standen auf dem Spielplan –, die einzelnen Aufführungen sollten auch im Zusammenhang Sinn ergeben. Als gemeinsamen Nenner hat Kusej sein Programm deshalb mit dem Motto «Wir, die Barbaren – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als Anfang Juni aus Meiningen die Nachricht kam, der Vertrag des Intendanten Res Bosshart werde nicht nur im Jahr 2007 nicht verlängert, sondern der Theaterchef müsse sogar vorzeitig und zwar bitte sofort gehen, war eigentlich niemand so richtig überrascht. Meiningen und Bosshart: Das war seit Beginn der «Zusammenarbeit» in der Spielzeit 2002/03 eine ungute...
Ein Sofa ist ein Sofa ist ein Sofa? Einerseits ja. Bis 1990 in der DDR bestimmt. Danach wurde es wie die Kunst an der Wand, die Hose am Bein und das Fingerfood in der Hand zu etwas anderem: einem Distinktionsmerkmal. Einem Verschleierungsinstrument. Das richtige Sofa, die richtige Kunst, die richtige Frau und die richtige falsche Betonung gewisser Wörter wie Dynamo...
An einem bedeckten Sonntagvormittag im Juli auf dem Grazer Hauptplatz. Ein paar Wurstbuden und Cafés haben schon geöffnet, aber das kann nicht der Grund sein, warum sich eine ansehnliche Menschenmenge in Schwarmformation kreuz und quer über den Platz bewegt. Schaut man genauer hin, entdeckt man einen schmächtigen Mann mit Brille, Baskenmütze und blauem...
