I will always love you
Normalerweise münden die seltenen Theaterbesuche mit meinem Vater direkt in die Regietheaterdebatte. Er findet es schrecklich, dass Theatermacher nicht mehr nach der Intention des Autors suchen, sondern ihre eigene Sicht (die im Wesentlichen aus brüllenden Nackten besteht) fremden Texten überstülpen. Ich dagegen finde es schrecklich, dass er seine pauschale Behauptung mantrahaft wiederholt und sich der Chance beraubt, neue Sichtweisen zuzulassen. Mein Vater liebt dieses Streitritual mit den immer gleichen Argumenten und stürzt sich jedes Mal mit frischem Furor hinein.
Als ich ihn frage, ob er mit mir zu einer Performance über Väter und Töchter kommt, zögert er keine Sekunde – auch dann nicht, als ich ankündige, dass die Gruppe «She She Pop» und der Abend «Das Testament» heißt.
Voller Einsatz
She She Pop gehören neben Showcase Beat Le Mot und Gob Squad (mit denen es auch personelle Überschneidungen gibt) zu den Performancekollektiven, die Ende der 90er Jahre aus der Gießener «Unglücksschmiede» (FAZ) für Angewandte Theaterwissenschaft hervorgingen. Die Generation der heute um die 40-Jährigen ließ sich damals von der britischen Life Art inspirieren und hatte keine Scheu, sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Natürlich sind wir Kulturkonsumenten politisch wahnsinnig gebildete Zeitgenossen. Sobald es allerdings um etwas mehr als die (griechische) Staatspleite oder Guido Westerwelles Vorstellungen von «spätrömischer Dekadenz» geht, können sich durchaus Wissenslücken auftun. Wieso bissen sich zum Beispiel Nikita Chruschtschow und Walter Ulbricht bei ihrem Treffen am 1....
Eine Stadt hat Fieber. Die Stadt heißt Wittenberge, und vier Monate lang hat sich das Maxim Gorki Theater in Berlin in seinem Projekt «Über Leben im Umbruch» in Uraufführungen, Podiumsdiskussionen und Filmabenden mit dem Soziotop dieser schrumpfenden Stadt beschäftigt. «Fieber», das neue Stück der Mecklenburgerin Juliane Kann, bildet den Abschluss dieses Crossovers...
Bei Denzel Washingtons erstem Auftritt in olivgrüner Uniform und mit der Ginflasche in der Hand brechen die Zuschauer in ekstatischen Jubel aus. Danach hängen sie an seinen Lippen. In der seit 1987 ersten Broadway-Inszenierung von August Wilsons Pulitzerpreis-Stück «Fences» dominiert Washington als zorniger Alltagsheld Troy Maxson die Bühne. Jedesmal, bevor Troy...
