Willkommenskultur mit Vorspiel
Wir sind hier aufgewacht» – so hätte die erste Premiere passend heißen sollen, mit der Andreas Beck seine Intendanz am Münchner Residenztheater eigentlich eröffnen wollte. Eine Versuchsanordnung über das Geworfensein des Menschen in die Welt hatte Regisseur Simon Stone auf der Basis von Calderón und Marivaux entwickelt und halb geprobt, als er die Nachricht bekam, dass sein langgehegtes, fast schon begrabenes Filmprojekt «The Dig» mit Ralph Fiennes und Carey Mulligan nun plötzlich durch Netflix finanziert sei, dann aber auch sofort gedreht werden müsse.
Beck bewies Nervenstärke und menschliche Größe, seinen Freund Stone, der sich in einem öffentlichen Brief wortreich entschuldigte, unter solchen Umständen aus der Pflicht zu lassen. Die Produktion soll so bald wie möglich nachgeholt werden, und vielleicht ist es nicht einmal unprogrammatisch, wenn so unversehens das Auftragswerk «Die Verlorenen» von Hausautor und -dramaturg Ewald Palmetshofer auf die erste Position vorrückt.
Willkommenskultur praktiziert die neue Residenztheater-Crew um den frischgebackenen Staatsintendanten Beck, der zuletzt am Theater Basel erfolgreich war, und seine Stellvertreterin und Kommunikationschefin ...
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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Starts, Seite 8
von Silvia Stammen
Man ist versucht, in den sogenannten Reichsbürgern eine völkische Splittergruppe der rechtsnationalistischen Radikalisierung zu sehen, deren Anhänger sich auf ideologische Brandstifer der AfD berufen. Dass die verkapselten Neonazis dann doch in einer ganz eigenen Welt der Verschwörungstheorie, esoterischen Verschwurbelung und nationalistischen Isolierung leben,...
Am Ursprung von Julius Heinickes Habilitationsschrift «Sorge um das Offene» steht eine Enttäuschung: die Erfahrung, dass die Theater zwar erkennen, wie ihre Konzentration auf ein weißes, bildungsbürgerliches Publikum angesichts einer sich rapide wandelnden Gesellschaft ein Problem darstellt, aus dieser Erkenntnis allerdings keine künstlerisch überzeugenden Schlüsse...
Albrecht Berblinger (1770–1829) war das Klischee eines schwäbischen Tüftlers: ein gelernter Schneider aus Ulm, der über Jahre hinweg eine «Flugmaschine» entwickelte, eigentlich ein Hängegleiter, der tatsächlich flugfähig war, bei einer öffentlichen Vorführung 1811 allerdings in die Donau stürzte und Berblinger dem Gespött der Bevölkerung preisgab. Der «Wir können...
