Nicht nur um der Kunst willen

Christine Umpfenbach und Andrea Breth dienen auf unterschiedliche Weise der Wahrheit auf der Bühne: das NSU-Doku-Stück «Urteile» und Pinters «Hausmeister» Von Silvia Stammen

Theater heute - Logo

Seit über einem Jahr wird verhandelt, aber ein Urteil ist nicht in Sicht. Der Prozess schleppt sich zäh durch tagelange Verhöre mit Handlangern aus dem Dunstkreis des rechten Untergrunds, die sich an kaum etwas erinnern können oder wollen. Akribisch gründlich arbeitet das Münchner Oberlandesgericht, um wenigstens jetzt Licht in das verbrecherische Schattendasein des NSU zu bringen, nachdem die behördlichen Ermittlungen jahrelang komplett versagt hatten.

Vor allem geht es dar­um, Indizien zu finden für die Mitverantwortung der schweigenden Hauptangeklagten Beate Zschäpe an zehn kaltblütig aus rassistischen Motiven verübten Morden. Der Prozess an sich ist ein Schauspiel, bei dem der deutsche Rechtsstaat um seine Glaubwürdigkeit ringt. Nur keine Fehler machen. Was den Angehörigen der Opfer darüber hinaus angetan wurde, steht hier nicht zur Debatte, ja gerät schon fast wieder in Vergessenheit.

«Urteile» – so der Titel des von Christine Umpfenbach initiierten und am Münchner Residenztheater produzierten dokumentarischen Theaterprojekts – gab es allerdings sofort, unmittelbar nach dem ersten Mord und lange bevor sich das Täter-Trio durch Selbstmord und Flucht gleichsam selbst zu erkennen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Reduktion, Reflektion

Tarkowskis zweiter Film «Andrej Rubljow» wurde in den 60er Jahren in zäher Auseinandersetzung mit der sowjetischen Kulturbürokratie gedreht. Der Künstler und sein Verhältnis zur Zeit, in der er lebt, der Künstler, seine Aufgabe und seine Krisen – das sind Tarkowskis Themen, die er an Rubljow abhandelt, dem berühmtesten russischen Ikonenmaler im 15. Jahrhundert, der...

Mannheim: Alistair McDowall «Brilliant Adventures» (DE)

Der Duden meint, der Vorgang habe zur Folge, «dass jemand bis zur Unsichtbarkeit aufgelöst wird und an einen anderen (gewünschten) Ort gelangt, wo er wieder Gestalt annimmt». Aus der persönlichen Erfahrung kennt man das «Beamen» eher nicht, hat aber schon den Eindruck, es könnte ganz sinnvoll sein. Der Stress mit dem ICE zum Beispiel würde endlich der Vergangenheit...

Gegen Bewegung

Eine Minute kann lang sein, wenn der ei­gene Kopf auf einem Ausstellungssockel liegt. Dabei an die eigene Verdauung zu denken, wie es neben der anleitenden Skizze steht, lässt die Zeit nicht schneller vergehen. Und wenn man dabei auf dem Kopf noch eine WC-Ente balanciert, scheint die Zeit still zu stehen. Auch mit einem Gummiband zwischen den großen Zehen und dem...