Kunst und Marke
Ende März in Berlins wuchtigem Theatertrotzbau am Rosa-Luxemburg-Platz. Auf der Drehbühne kreiselt eine verwinkelte, mit Liebe gezimmerte Bretterbude, über der ein riesiger Videoscreen thront, der Stolz des Hauses. Was in den Zimmern vor sich geht, überträgt großzügig gepixelt und leicht grünstichig eine wackelige Handkamera, die noch das staksigste Berufsschauspielertum in ein pseudoräudiges B-Picture verwandelt.
Eine Handvoll gutgebauter, vitaler Schauspielerinnen verausgabt sich wie üblich verschwenderisch, die Romanvorlage wird mit Rücksicht auf maximale Nichtnachvollziehbarkeit in den herzlichen Familienstreit einer jahrzehntelangen Kantinengemeinschaft verwandelt. Irgendwann wackeln alle im Entenmarsch durch die Kulisse; die Sache fängt eine halbe Stunde zu spät an und dauert mindestens erschöpfende vier, ausnahmsweise mit Pause. Danach hatten sich die Reihen sehr gelichtet, und wer zwischendurch eingenickt war oder beim Aufwachen nicht mehr wusste, welchen Meisterstreich des Hausherrn er gerade genoss, der konnte ja auf den Programmzettel schauen. Da stand interessanterweise Tschechow, «Das Duell». Es war mal wieder eine Castorf-Premiere.
Anschließend erschien der Meister ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Freiraum Theater!, Seite 21
von Franz Wille
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