Ingolstadt: Jammerlappen im Trümmerhaufen
«Wir fallen uns selber zur Last und verstricken uns in uns selbst und ersticken daran fast», heißt es einmal in dem Langgedicht «Brandneue Klassiker» von Kate Tempest. Und das könnte auch das Motto für ihr Theaterstück «Wasted» sein: Drei junge Menschen, die nichts mit sich selber, ihren Körpern und Gefühlen, ihren Sehnsüchten und Verfehlungen anzufangen wissen, die mit Glück ebenso wenig zurechtkommen wie mit dem Scheitern daran, vergeuden ihre Zeit mit Anfällen von Selbstmitleid und Selbsttäuschung.
Sie erwachen aus schiefen Träumen und können sich in der Wirklichkeit nur noch auf wackligen Beinen und über brüchige Gewissheiten fortbewegen – sie sind verloren, haben sich verschwendet, sind verbraucht und ausgelaugt.
Sie sind eben «wasted», und im Deutschen gibt es dafür viele Übersetzungen; Regisseur Donald Berkenhoff lässt sie in Ingolstadt wie einen Auszug aus einem dicken Wörterbuch in Endlosschleife über die Leinwand laufen. Eine halbwegs positive Bedeutung findet sich darunter nicht. Und tatsächlich wird jeder mühsam hoffnungsvolle Ansatz von Ted, Charlotte und Danny, sich aus der frustrierenden Gegenwart zu befreien, von ihnen selber im Keim erstickt. Eigentlich sind es ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Bernd Noack
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