Eine Frage der Richtung
Der Orientierungssinn von Katharina Lorenz ist eine Katastrophe. Auf dem Weg von der Probebühne nach Hause nimmt die Schauspielerin immer wieder abenteuerliche Abzweigungen, und wenn sie in einem Restaurant auf die Toilette geht, kann es schon vorkommen, dass sie hinterher ihren Tisch nicht mehr findet. Die kleine Schwäche kann auch bei der Arbeit zum Problem werden. In der «Othello»-Inszenierung am Akademietheater, in der sie Desdemona spielt, muss sie einmal durch die Unterbühne zu einem Auftritt – und ging stets in die falsche Richtung.
«Mittlerweile ist da unten eine Frau an meiner Seite, die mich zur richtigen Tür bringt.»
Zum Gespräch ins Café Heumarkt – einem sympathisch unmodernen Lokal, in dem vor ungefähr 40 Jahren die Zeit stehen geblieben ist – hat Katharina Lorenz ohne fremde Hilfe gefunden. Sie wohnt in der Nähe und ist öfter hier. Wir haben zwei Termine vereinbart, einen kurz vor der «Othello»-Premiere, einen kurz danach. Beim ersten Gespräch wirkt sie etwas nervös, beim zweiten ziemlich erschöpft.
Das Auffälligste an der Schauspielerin Katharina Lorenz ist, dass sie einem sofort auffällt, obwohl sie eigentlich gar nichts Auffälliges macht. Man könnte sagen, sie ...
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