Spielwiese der Anspielungen
Würde man tatsächlich alles umsetzen, was sich an Personal im Stück einfindet, sprengte das jeden Theateretat. Wolfram Lotz lässt nicht nur Hamlet, Bakunin, Prometheus, den Arbeitgeberpräsidenten Dieter Hundt und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auftreten. Mit dabei sind auch eine Gruppe echter Sozialhilfeempfänger, 21 mongoloide Kinder und 50 Nereïden. Aber nicht genug damit. Gleich zu Beginn des Stücks stößt man auf einen jener Zwangszusammenhänge, in die sich Autoren nur allzu gerne begeben.
Es geht um die Praxis des Stückauftrags und das Scheitern des Autors, wie es auch Nis-Momme Stockmann in «Kein Schiff wird kommen» vorgeführt hat.
Wolfram Lotz nun lässt sich in seinem neuen Stück gleich zu Beginn selbst auftreten
und von einer Schauspielerin befragen, wie das denn sei: Da sei doch dieser Stückauftrag, und das Theater habe gemeint, es solle auf jeden Fall was Politisches sein, so was zum Widerstand. Man ahnt schon da, dass dieser Theatertext keine wie auch immer geartete Geschichte erzählen will. Und da Wolfram Lotz sich dann auch noch dem urältesten Theaterthema zuwendet und das Verhältnis von Wirklichkeit und Fiktion hinterfragt, kommt es, wie es kommen muss: Die Fiktion ...
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Theater heute Juli 2011
Rubrik: Chronik: Theater Saarbrücken, Seite 56
von Jürgen Berger
Wie mag es wohl in den abgestorbenen Provinzstädten des Postsozialismus zugehen?
In Tilmann Gerschs deutscher Erstaufführung von Michal Walczaks «Das Bergwerk» lebt
es sich dort wie auf einem heruntergekommenen Rummelplatz. Dafür hat Henrike Engels ein haushohes blinkendes Kirmes-Ungetüm mit gemalten Clowns und Knochenmännern, bunten Glühbirnen und Balustraden auf...
Alvis Hermanis wurde im Westen zwar mit Gogols «Revisor» bekannt; berühmt aber ist der lettische Regiestar nicht für seine Repertoireinszenierungen, sondern für semidokumentarische Abende wie «Das lange Leben» oder «Väter», die er gemeinsam mit den Schauspielern entwickelt. Um Shakespeare oder Tschechow hatte Hermanis bisher einen Bogen gemacht. Bei Shakespeare...
Oliver ReeseSimon Stephens, gestern war die Uraufführung Ihres neuen Stücks. Wie war’s?
Simon StephensWas für ein Einstieg! Das Stück heißt «Wastwater» nach einem See im Lake District im Norden Englands. Es ist der tiefste See in England, aber das Stück hat absolut nichts mit dem See zu tun.
ReeseAlso wie «Pornographie», das ja auch nichts mit Pornographie zu tun...
