Diskurs: Ochsen und Bullen
Der bunt verzierte Kopf eines Rindviehs thront auf dem Plakat mit dem Titel «Künstlerische Vielfalt und kulturelle Teilhabe als Programm? Perspektiven für Theater in der Provinz». Eine Metapher, die in der Theaterlandschaft weit mehr assoziiert als Spielorte hinter Rinderweiden im ländlichen Raum. Das Alpha des griechischen Alphabets symbolisiert die Hörner des Stiers, der seine Freiheit eingebüßt hat, denn der Querstrich im Buchstaben A ist sein Joch. Der Bulle ist also domestiziert und kastriert, somit ein Ochs.
Die Frage, wer der tonangebende Bulle und wer der domestizierte Ochse im Theater ist, wurde auf der vom Landestheater Schwaben in Memmingen (Silvia Stolz) und dem Institut für Kulturpolitik der Uni Hildesheim (Wolfgang Schneider, Katharina Schröck) organisierten Tagung heftig diskutiert. Die anwesenden Theaterleitungen sonnten sich, wenn überhaupt, dann nur noch ansatzweise in ihrer künstlerisch-autonomen Alleinherrschaft und schienen sich von Kulturvermittlern und der Freien Szene befruchten zu lassen; Gruppierungen, denen gerne mal Autonomiepotenz und Hochkulturstatus aberkannt wird und die so – bleibt man in der Metaphorik – traditionell eher den Ochsen zugeordnet ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2018
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Julius Heinicke
Finanzwirtschaft, Aktien, Junk Bonds. Man versteht so wenig. Gut, dass die Wirtschaftsjournalistin Judy Chen (Hannah Müller) gleich zu Beginn von Ayad Akhtars «Junk» an die Rampe tritt und das Publikum über die groben Eckdaten aufklärt: 1985, Manhattan, die Zeit, als die alten Industrien sich anschickten zusammenzubrechen, die Zeit, als an der Wallstreet Wetten zu...
Regieren kommt von Gier. Da hat der Herzog Vincentio erstens recht und zweitens den wunden Punkt so ziemlich aller Staatssysteme getroffen, die vor und nach William Shakespeare denkbar waren. Nur Vincentio selbst, dem ist die ewige Volksbeherrscherei lästig. Auch scheint das Gros der Untertanen seinen Stil, das Laissez-faire, kaum noch zu schätzen. Also verordnet...
Aachen, Grenzlandtheater
2. nach Bergman, Szenen einer Ehe
R. Harald Demmer
Aalen, Theater der Stadt
10. Klöcker, Alle irgendwie manchmal
R. Anne Klöcker und Klara Sandmann
30. Shakespeare, Was ihr wollt
R. Marlene Anna Schäfer
Altenburg/Gera, TPT
10. Molière, Der eingebildete Kranke
R. Manuel Kressin
Ansberg, Kultur am Schloss
16. nach Molière, Tartuffe
R. Markus...
